Epic: Elvis Presley in Concert

Devotionalie

Die Haltung zum Objekt seines Interesses von Baz Luhrmann in seiner Doku-Collage zu Elvis Presley erinnert an jene der Michael-Jackson-Fans mit ihrer Umwidmung des Orlando-di-Lasso-Denkmals in der Grünanlage vorm Hotel Bayerischer Hof in München: liebevoll zugeneigt.

Es ist ein Verehrungsmovie, das dem Objekt seiner Verehrung gerecht werden will, das durchaus versucht, zwei Seiten seines Stars zu zeigen.

In Audioaufnahmen von Interviews, die über das Bildmaterial gelegt werden oder auch Originalinterviewclips, schildert der Film, dass bei Elvis eine Differenz zwischen menschlichem Wesen und dem Image bestehe, aber auch dass er unabhängig seinen Weg geht, seine Musik macht, die geprägt ist von Gospel, Folk und Blues. Er braucht das Publikum; nur Filme drehen oder Studioaufnahmen, das reicht ihm nicht. Auch gibt er Auskunft darüber, wie es mit der unmenschlichen Anstrengung, dem Kraftakt steht, den sein Leben als Künstler verlangt.

Der Film setzt einen Schwerpunkt auf die Zeit der Shows in Las Vegas, über 1000 Vorstellungen in den Jahren 1969 bis 1977; und er bringt Aufnahmen aus der übrigen Karrierenzeit und auch von Presley als GI, teils in Schwarz-Weiß.

Im ersten Moment gibt es einen kurzen Flashback zum Film The Testament of Anne Lee, der Quäkerführerin, auch ein Musik-Film: die Shaker machen Bewegungen, ekstatische, die Schnittmengen mit jenen von Elvis Presley haben.

Faszinierend sind seine Glitzerkostüme, die fetten Klunker; neckisch vor allem die breiten Gürtel mit knie- bis beinlangen Fransen; die wirken wie Fragmente eines Baströckchens, verleihen der Gegend etwas Feminines.

Er selbst hat eine unglaubliche Präsenz auf der Leinwand, nach wie vor, auch heute noch. Er kommt als episches Phänomen rüber, eine einmalige Begabung, eine einmalige Stimme.

Es ist nicht direkt ein Konzertfilm. Es gibt Nummern, die länger gespielt werden; geschickt unterschneidet Baz Luhrmann einen Song mit verschiedenen Auftritten und Proben.

Der Filmemacher zündet mit seiner Clip-Collage ein Elvis-Feuerwerk. Allerdings geht der Film dann, speziell in der Las-Vegas-Phase ziemlich geradeaus. Für den nicht Elvis-Fan wirkt die Dosis etwas stark.

Sein Künstlercredo: jede Vorstellung muss so sein, als sei es die erste, als singe er jeden Song zum ersten Mal. Routine wird hier in keinem Moment sichtbar. Man kann also in dem Film auch etwas über Showprofessionalität erfahren.

Auch das enthält uns Baz Luhrmann nicht vor: der müde, abgerackerte Elvis nach einer Show; das ausgelaugte Gesicht, die die paar Kilos spüren lässt, die er während einer Show verliert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert