Ein fast perfekter Antrag

Ein Würzburgfilm

Würzburg kommt gut in diesem Film von Marc Rothemund nach dem Drehbuch von Richard Kropf.

Besonders die Uni hat es den Filmemachern angetan, architektonisch gewürzt mit der Story über den Architekten, der irrtümlich die Pläne für ein Parkhaus eingereicht habe – das schlachtet die Kamera von Ahmet Tan weidlich aus.

Hier hat Iris Berben als Alice eine zeitlich befristete Professur für Kunstgeschichte inne. Aber nicht nur Würzburg und die Uni und Iris Berben kommen gut. Heiner Lauterbach brilliert in seiner Rolle als streitsüchtiger, penetranter Klugscheißer, Perfektionist und Internet-Wertungen-Verteiler Walter Adler, ehemaliger Ingenieur mit Hund. Er brilliert schauspielerisch so sehr, dass das Drehbuch wie nicht so ganz mithalten kann. Obwohl selbst dieses sehr ordentlich, allerdings etwas zu vernünftelnd, geschrieben ist; immerhin verzichtet es auf die häufig zu erlebenden TV-Realität simulierenden Sätze, wie, ob noch Milch im Kühlschrank sei, obwohl weder die Milch noch der Kühlschrank eine Rolle in der Geschichte spielen.

Man schaut gerne zu, auch dem übrigen, prima ausgewählten und eingesetzten Ensemble, das ist schon was in einem deutschen Film. Auch den Chor, also die Komparsen, hat Regisseur Marc Rothemund im Griff, nie störend, nie ablenkend, immer aber pulsierendes Leben simulierend.

Die Geschichte, eine Liebesgeschichte mit Komödieneinschlag, ist vielleicht etwas gradlinig. Sie wird kurz mit der Vorgeschichte vor 40 Jahren eingeführt. Walter Adler als junger Mann (Julius Forster) macht Alice als junger Frau (Raffaela Kraus) mit einer in Studenfilmen beliebten Kettenreaktionsinstallation, die aus dem Ruder läuft, einen Heiratsantrag. Abgelehnt. Die beiden verlieren sich aus den Augen.

Im Würzburg von heute laufen sie sich über den Weg. Walters Liebe flammt erneut auf. Er setzt alles daran, mit der abweisenden Alice in Kontakt zu kommen. Dafür schreibt er sich an der Uni als Gasthörer in Kunstgeschichte ein. Das schafft schöne Momente der Generationenbegegnung, speziell mit Zero (Jonathan Perleth).

Walter macht eine Exkursion nach Wien mit, soll dort vor dem Gemälde Olympia von Manet einen zehnminütigen, freien Vortrag halten. Dieser Geschichtsfaden gibt genügend Raum für Bemerkungen zu Kunst, zum Genderthema, zu Kunstbetrachtung und -beschreibung, zum Verhältnis Mann, Frau und auch zum Impressionismus in der Malerei.

Wenn man allerdings einen Film wie Sentimental Value zum Vergleich beizieht, gilt es festzustellen, dass dort das Menschenbild ein deutlich differenziertes, komplexeres und, ja, auch humaneres ist; es sind Menschen, die eine Geschichte haben, denen Transgenerationentraumata zu schaffen machen: nichts davon in diesem deutschen Film: diese Menschen haben keine Geschichte, haben nichts Verdrängtes; für sie stellt sich nur die Frage, ob sie einen bestimmten Menschen haben können oder nicht; ziemlich platt; es sind Menschen, die in einer geschichtslosen Situation leben; denen mithin das Elementarste zum Menschlichen fehlt; denn seine Geschichte macht einen Menschen aus und nicht, ob er etwas haben kann oder nicht.

So bleiben die Figuren letztlich im Geschlechterspiel ge- und befangen; sie wirken im Vergleich zum skandinaivschen Film eindimensional, werden zu Bannerträgern von zeitaktuellen Sätzen über Geschlechterwelt, Liebe und Egoismus. Die Musik versucht mit einem Griff in die Feelgoodkiste darüber hinwegzubluffen.

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