Dust Bunny

Der Flus und das Monster

Über New York schwebt ein Flus. Der Wind treibt es ins Schlafzimmer der präpubertären Aurora (Sophie Sloan) im 5. Stock eines Wohnhauses im chinesischen Viertel. Im Zimmer landet das Flus unter ihrem Bett.

Es entwickelt sich erst zu einem kleinen Häschen, Bunny heißt das auf Englisch. Daraus wird mehr werden in diesem herrlich gediegenen fantasievoll verrückten Monster-Spuk-Spaß von Bryan Fuller. Die Ausstattung, konsequent in diesem kleinteiligen chinesischen Stil, ist das gewisse Etwas, das den Rahmen so festlich, so stilhaft macht. Wohnung, Hochhaus, die Klamotten der Darsteller, die Innendekoration.

Mädchen im Alter von Aurora, sie dürfte um die acht Jahre alt sein, haben generell ein spezielles Verhältnis zu Psi-Phänomenen, zu Spuk und Fantasievorstellungen, zum Übersinnlichen als Kompensation zu einem Gefühl tiefinneren Alleinseins und von Einsamkeit, allein auf der Welt, obwohl doch eine ganze Familie um einen herum ist.

Vielleicht gehört es zum Heranwachsen, sich diese Familie ab und an wegzuwünschen. Was kann dabei hilfreicher sein als ein Monster, was sich erst unscheinbar durch einzelne Parkettplättchen bohrt und alles verschlingt, was die Fantasie des Mädchens hergibt.

Ihr Alleinsein in der geräumigen Vielzimmerwohnung, sehr herrschaftlich, vertreibt Aurora sich mit Fahrten auf einem Bronze-Rhino (oder Nilpferd), indem sie drauf steht und wie ein Gondoliere in Venedig mit einer Stange auf dem Boden stakst.

In der Wohnung gegenüber von Aurora wohnt ein Nachbar, der seinen Namen nicht preisgeben möchte (Mads Mikkelsen). Der ist sonderbar und romantisch angezogen. Den beobachtet das Mädchen, stiehlt ihm über die Dächer nach, wenn er unten durch die engen Gassen geht und von einem chinesischen Drachen, der das chinesische Neujahr zelebriert, verfolgt wird.

Alles sehr merkwürdig. Sie sieht, dass er ein Kämpfer ist. Sie steckt einen Briefumschlag mit Geld in seinen Briefkasten. Er soll für sie einen Job erledigen. Er ist jetzt öfter bei ihr, auch wie es klingelt und die Dame vom Sozialamt (Rea Milla) vor der Tür steht.

Die familiären Umstände von Aurora sind problematisch, die Eltern verschwunden, die Pflegeeltern ebenfalls und jetzt ist dieser Typ da, alles andere als vertrauenerregend. Er, der Aurora immer mit Erora anredet, hört sich ähnlich an wie Irrtum, und sie korrigiert ihn andauernd, flüstert ihr zu, die Dame sei gar nicht vom Sozialamt, sondern vom FBI.

Es tauchen eine ganze Menge anderer Figuren auf, alle in merkwürdigen Zusammenhängen. Einmal ist die Rede davon, die Gedanken (wie Flusen) aus der Luft zu fangen. Fantasietheorie in Reinkultur.

Wie die Dinge sich zuspitzen, mehr Agenten, mehr Eindringlinge, wächst sich das Monster aus, die Ereignisse überschlagen sich tumultartig – und, welch Zufall, das Monster hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem chinesischen Drachen. Diesen Film anzuschauen, ist kein Eskapismus, er ist Eintauchen in eine verrückte, monströse Fantasiewelt; ist es nicht unsere Fantasie, die nur allzu bereitwillig Flusen zu Monstern auswachsen lässt, wenn wir einsam sind?

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