Dead of Winter – Eisige Stille

Die Lust am Fabulieren

Könnte fast skandinavisch sein, lange Winternächte, Kerzenlicht, Alkohol und eine Runde Menschen, in der einer das herrlichste Geschichtenstroh spinnt.

Ist es aber nicht, der Film von Brian Kirk nach dem Drehbuch von Nicholas Jacobson-Larson und Dalton Leeb ist amerikanisch, spielt in Minnesota am Lake Hilda „in the middle of nowhere“ in eisigem Winter in schneebedeckter Waldlandschaft.

Barb (Emma Thompson) ist im Auto unterwegs hierher. Werbetafeln auf einem Laden weisen auf das Thema hin „bait & tackle“, gemeint ist Fischereibedarf. Sie hat ein Ziel, verfährt sich, landet auf einem einsamen Gehöft. Dort begegnet sie einem Alten (Marc Menchaca).

Hier fängt für sie das Ungeplante an. Sie entdeckt, dass der Alte eine junge Frau (Laurel Marsden) in seinem Keller gefangen hält. Sie ist mittendrin in einer Entführungsgeschichte, deren Hauptinitiatorin eine junge Frau (Judy Greer) ist.

Der Film erzählt geradelinig, wie die schrullige Alte zur Verbrechensbekämpferin wird. Gleichzeitig erzählt er in Rückblenden, was das Ziel ihres Ausfluges ist. Das hat mit ihren jungen Jahren zu tun, wie sie (jetzt von Gaia Wise dargestellt) mit ihrem Geliebten und Bräutigam (Cúán Hosty-Blaney) 1982 auf dem zugefrorenen See eisfischen sind und er ihr den Heiratsantrag macht.

Statt dem, was sie dort heute wirklich tun will, das erzählt der Film später, gerät sie in einen waschechten Actionfilm unter härtesten Wetter- und Materialbedingungen hinein. Die Entführer erweisen sich als gnadenlos, sie wollen auf gar keinen Fall auffliegen und wie sie dahinter kommen, dass ihnen jemand auf der Spur ist, sind sie wild entschlossen, diesen jemand, auch wenn es eine alte Frau ist, zu beseitigen.

Es ist gewiss nicht zuviel verraten, dass die Alte deutlich mehr ist als nur eine komische, skurrile Alte, womöglich gar verirrt und verwirrt, sondern, dass sie sich als harte und unberechenbare Gegnerin erweist, eine brillante Rolle für Emma Thompson, die im Abspann auch als Produzentin ausgewiesen wird. Welche Schauspielerin mag es schon, eine Rolle zu spielen, die in der Jetztzeit nur ein einziges Kostüm zur Verfügung hat, eine merkwürdige, fürs Eisfischen geeignete, von jedem modischen Schick befreite Latzhose? Und was sie sich physisch alles zumutet! Stellenweise bekommt man direkt Mitleid mit ihr, gerade wenn sie so allein und orientierungslos in menschenleerer Gegend unterwegs ist. Doch das Vergnügen an der Art, wie diese schauderhafte Geschichte wie am Lagerfeuer flunkernd erzählt wird, überwiegt bei weitem.

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