Natur ist kein Spektakel,
sondern geteiltes Leben.
Diesen Anspruch, der im Abspann formuliert ist, kann der Film von Vincent Munier zumindest in Teilen erfüllen. Seine drei Protagonisten, das sind zwei ältere Naturbeobachter und der Enkel Simon des einen, werden gezeigt, wie sie, meist flüsternd nur, sich in der Natur bewegen, Tarnungen aufbauen, in Schlafsäcken ausharren, um dann mit Glück einen Auerhahn oder einen Luchs vor die Augen und vor die Kameralinse zu bekommen.
Es ist eine Verführung mit Enkeltrick zum andächtigen, respektvollen Betrachten und auch Bewundern der Natur. Der Enkel ist derjenige, der von den zwei älteren Herren in diese Aktivität eingeführt wird.
Ganz kann der Film aber der Naturspektakel-Verführung nicht widerstehen. Er erliegt dem Reiz von Nebelchen, die sich aus Senken und Wäldern winden, er erliegt dem Reiz von Lichtspielen in Spinnennetzen und auf Zweigen, er erliegt dem Reiz der Groß- und Nahaufnahme von Käuzchen, Eulen, Zaunkönig, Auerhahn, Fuchs, Reh, Hirsch und anderem Beifang.
Der Film zeigt aber auch immer wieder seine drei Hauptdarsteller, wie sie sich behutsam durchs Gehölz bewegen, wie sie einen toten, moosüberwucherten Baumstamm genauer mustern und darüber philosophieren, wie es in gewisser Weise keinen Tod gebe, Kreislaufphilosophie, wie alles auf seine Art weiterlebt, wie der tote Baum neues Leben speist.
Sie philosophieren darüber, dass der Auerhahn in unseren Breiten, sie bewegen sich in den Vogesen, es ist ein französischer Film, kaum mehr zu sehen sei, dass er möglicherweise schon verschwunden sei. Um so einen zu erleben, müssen sie nach Norwegen reisen. Dort gibt es ihn tatsächlich noch und er ist ein wundersames, die Leinwand prall füllendes Naturwesen.
Es gibt eine Hütte, in der die drei Männer sich aufwärmen, ein Feuer machen, Essen zubereiten, über die Natur und ihre Erlebnisse plaudern. Auch das gibt schön romantische Bilder. Hütte mitten im Wald. Auf der Tonspur ist die Natur nicht so pur. Da gibt es auch Strecken mit rein menschlich erzeugtem Sound, Gesang und Instrumentenmusik, Choräle – wäre nicht nötig, haben die Naturbeobachter doch auch ein wundersames künstliches Ohr wie einen Trichter, mit dem sie präzise Vogelstimmen und -geräusche einfangen können.
Manche der Bilder erinnern an Motive, die gerne auf Trauerkärtchen verwendet werden. Die Geduld, die Naturbeobachter brauchen, spiegelt sich in häufigen Unscharf-Aufnahmen, weil Tiere in der Natur, zur Zeit der Dämmerung oder wenn Nebel da ist, oft nur als Silhouetten erkennbar sind.