Theaterdonner fett
ist nur eines der theatralen Elemente, die Regisseurin Emerald Fennell, die auch das Drehbuch nach Emily Bronte geschrieben hat, die sie einsetzt, um zu zeigen, wie wichtig, wie bedeutsam ihr der Film ist. Auch andere altbekannte Theatereffekte werden massiv zu diesem Behufe benutzt, Sturm und Wind, Regen und Nebel. So richtig schönes Wetter ist nie. Auch die Landschaft wird gerne kulissenhaft hervorgekramt wie in der großen Oper, teils wirken die Steinsgebilde, die dafür herhalten müssen, wie von Bühnenbildnern geformt.
Inhaltlich geht die Filmemacherin rigoros vor; sie kämmt die Bronte-Story radikal auf den Kitschgehalt runter, reduziert die Figuren auf Figuren der großen Bühne oder des großen Hollywood-Startheaters, das sich wohl selbst für großes Welttheater hält.
Margot Robbie kommt einem schon vor wie die perfekte Starmaschine, wirklich perfekt in jedem Moment, in jeder Regung.
Hinzu kommt die Orientierung der Bildwelt an einprägsamen Phasen der Malerei wie dem Barock. Innenräume samt Frauenfiguren darin könnten von Vermeer abgeguckt sein. Sie werden gerne mit Boden und Decke gezeigt, diese quadratischen Muster.
Psychologische Feinzeichnung und Komplexität der Figuren, ihrer Geschichte gibt es hier nicht. Zwischen dieser Art Kino und jener von Sentimental Value, das ein heutiger Film ist, klaffen Abgründe.
Knallig fängt die drastische Show an mit einer Henkung ohne Rücksicht auf zarte Nerven.
Cathy ist noch ein Kind (Charlotte Mellington), lebt in besseren Verhöltnissen mit einem tyrannischen Vater (Martin Clunes). Der nimmt das Findelkind Heathcliff (Owen Cooper) im Hause auf. Dann ist noch Nelly im Haushalt (Vy Ngueyen). Cathy und Heathcliff sind ein Herz und eine Seele. Liebe liegt in der Luft.
Zeitsprung. Die beiden sind erwachsen. Heathcliff wird jetzt gespielt von Jacob Elordi, einem naturwüchsigen Mannsbild, stämmig, groß, langes, schwarzes Haare. Die Familie Earnshaw von Cathy ist verarmt. Vater versäuft und verspielt alles. Er wird unerträglich.
Die Familie von Edgard Linton (Shazad Latif), sehr reich, zieht in die Nachbarschaft in der einsamen Gegend. Das heißt, die bauen sich fünf Meilen entfernt ein schlossähnliches Anwesen. Edgard will Cathy heiraten. Für sie wären damit alle ökonomischen Probleme gelöst. Doch die Liebe gilt Heathcliff. Der haut ab.
Das ist der Stoff, aus dem Herz-Schmerz-Geschichten sind und aus welchen sich die Dramen oder das Drama entwickelt, denn eines Tages kommt Heathcliff zurück, kauft das Haus der Earnshaws und wird damit auch ökonomisch akzeptabel.
Mehr ist nicht. Außer dass Cathy bereits schwanger ist. Die Musikspur ist zum richtigen Haudrauf geworden, so wie die Darsteller offenbar tendenziell zum dramatischen Spiel angehalten sind; das hat den Vorteil, dass garantiert nie genuschelt wird. Es ist ein Kino, was mir veraltet vorkommt, besonders wenn man mit „Sentimental Value“ vergleicht.
Es ist ein Kino, was mit Getöse auf sich aufmerksam machen will, seine bescheidene Message einem aufs Auge drücken will (oder gar einen ganz anderen Schmerz am Leben äußern will), vielleicht, weil es weiß, dass es so Neues nicht zu erzählen hat, oder gar selber an der Unterkomplexität der Figuren, die es zeichnet, leidet, und das zeigt er nicht nur mittels der schweren Musikspur, sondern auch mit einer Nähe zu bombastischer Opernhaftigkeit bei Ausstattung und Ausleuchtung.
Könnte für mich in der Schublade „Kuriositäten der Filmgeschichte“ landen.