Gazawood
Ein weiterer, wunderbarer Kinofilm der zwei Tarantino-Brüder Arab und Nasser Tarzan aus dem Gazastreifen nach Gaza Mon Amour.
Sie sind Kinofans durch und durch und mit dem Titel dieses Filmes referieren sie auf den Tarantino-Film Once Upon a Time in Hollywood. Dort ist Hollywood in die Jahre gekommen; hier ist die Kinobegeisterung unmittelbarer und frischer denn je und wenn Gaza einen Stoff für hollywoodlike Filme liefert, woher sollen sonst die Ideen zu Heldengeschichten kommen?
Sie thematisieren das Filmemachen. Im Film wollen ein Regisseur (Is’haq Elias) und sein Produzent (Said Saada) in Gaza einen Actionfilm drehen. Er wird „Der Rebell“ heißen und soll von einem palästinensischen Helden und Märtyrer handeln.
So simpel erzählen die palästinensischen Filmbrüder Nasser das aber nicht; dazu sind sie zu sehr Filmfreaks.
Dem Film voran setzen sie auf der Tonspur eine Referenz an Amerika, dem Land der Träume; dort träumt ein Amerikaner davon, aus Gaza die Riviera des Nahen Ostens zu machen.
Mit Bildern vom Zustand in Gaza einerseits und den Siedlungen andererseits weiterzumachen, ist unumgänglich.
Der Film springt zurück ins Jahr 2001 und fängt mit dem Boss des späteren Protagonisten, mit Osama (Majd Eid) an. Er ist im Gazastreifen Betreiber einer Falafelbude. Den Mercedes, den er fährt, könnte er sich vermutlich mit Falafel allein nicht leisten. Er dealt mit Drogen; Pillen werden unauffällig dem Falafel beigepackt. Sein braver Mitarbeiter Yahya will das nicht länger mitmachen. Er steckt nicht so tief drin wie sein Chef. Der wiederum ist im Visier des Drogenfahnders Abou Sami (Ramzi Maqdisi). Der möchte aus ihm Namen von anderen Dealern erfahren.
Die Methoden der palästinensischen Polizei sind nicht besser als diejenigen in Diktaturen. Wer Spoiler nicht mag, der muss spätestens hier sich ausklinken.
Osama will nicht mehr mitmachen. Das endet wüst. Der Film springt zwei Jahre vor. Hier fängt er mit der Filmproduktion an, die einen Protagonisten sucht. Sie stößt auf Yahya, der noch lange Haare hat. Er bekommt die Rolle des Rebellen, der Gerechtigkeit für Palästina fordert.
Auf die Dreharbeiten folgt eine Einladung des Filmteams durch den Innenminister, der voll des Lobes über die Produktion ist. Dort begegnet Yahya wieder Abou Sami, den er in übler Erinnerung hat und der jetzt eine Chefposition einnimmt.
Für Spannung ist gesorgt in diesem ersten Actionfilm aus Gaza, wie die Ambition des Filmemachers im Film lautet. Gleichzeitig erhält der Zuschauer einen Eindruck von den Lebensumständen in Gaza mit den dauernden Bombardierungen. Das ist umso wichtiger, als internationale Journalisten nach wie vor keinen oder nur sehr beschränkten Zugang zu dem Gebiet erhalten. Gaza als verbotene Zone für Journalisten. Der Film dürfte keine geschätzte 95 Millionen Dollar wie der erwähnte Tarantino gekostet haben; bringt aber dem Zuschauer eine Menge an Unterhaltung, Spannung und Informationen, aus einer journalistisch unterbelichteten Weltgegend. Hilfreich war da zuletzt auch Die Stimme von Hind Rajab.