Fassaden

Gewalt in der Partnerschaft

Kern dieses ansprechend gemachten Themenfilmes von Alina Cyranek sind vier Interviews mit Frauen, die von ihren Partnern Gewalt erlebt und die es offensichtlich geschafft haben, sich aus den Beziehungen zu lösen.

Gelesen werden die Texte von Sandra Hüller mit ihrer spröden, uneitlen, unprätentiösen Art, so als wundere sie sich wie die Autorinnen nochmal darüber, was sie alles erlebt hat. Sie liest die Texte aus dem Off. Auf der Leinwand sind dazu abwechselnd Tanzimprovisationen eines Paares zu sehen, Standfotos von Häusern und Wohnblocks, in denen solche Dinge passieren oder ausnahmesweise Beweisfotos von Hämatomen.

Zur Aufdeckung von Gewalt in Partnerschaft und Ehe kann die Stadt von Vorteil sein, weil es eher Nachbarn gibt, die Schreie oder anderen ungwöhnlichen Lärm, den das Herumwerfen von Gegenständen erzeugt, hören und die Polizei alarmieren können.

Auf dem Land ist es schwieriger, besonders wenn die Gewalt in einem sozial besseren Milieu passiert, der Mann vielleicht eine lokale Größe ist, so dass niemand sich traut, etwas zu sagen; obwohl alle es wissen.

Zwischen den Interviewabschnitten wartet der Film mit Fachleuten auf, die beruflich mit dieser Art von Gewalt befasst sind, von der Polizei, der Sozialberatung, der Psychologie, aus der Medizin, vom Gericht. Sie werden vor neutralem Hintergrund platziert, kurz vorgestellt und sprechen in die Kamera, geben Einblick in ihr Wissen und in ihre Erfahrungen mit dem Thema.

Die Anfänge einer solchen Beziehung sind oft traumhaft. Die Frau ist vielleicht gerade in einer schwierigen Situation. Da begegnet sie einem außerordentlich charmanten Typen. Liebe nistet sich ein. Er schwärmt ihr das Glück des Lebens vor. Eine gemeinsame Zukunft wird geplant. Sie gibt alles her, gibt alles auf.

Es setzt ein schleichender Prozess sozialer Isolierung ein. Wie das Glück vollkommen scheint, setzt es die erste Kopfnuss. Es ist ein verhängnisvoller Mechanismus, eine Spirale, die sich in Gang setzt und die die Frau immer mehr zur Gefangenen, zur Sklavin in der Beziehung macht.

Wenn immer einer neuer Höhepunkt der Gewalt erreicht ist und die Frau Versuche macht, Hilfe zu holen, ist der Mann völlig umgekehrt, reumütig, winselt, bittet, fleht. Und die Frau lässt sich wieder rumkriegen. Wie beim Film über Kindsmissbrauch Blinder Fleck ist auch hier das Thema der Glaubwürdigkeit vor Gericht ein Punkt. Zugunsten der Frauen können Fotos von Hämatomen und Verletzungen beigezogen werden.

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