Die Ältern

A displaced Person
oder
Eberhofer in Hamburg

Wer seinen Eberhofer (Sebastian Bezzel) liebt, der kann ihn jetzt in Hamburg haben in der Rolle des Erfolgsautors Hannes. Der hatte mit einer Buchreihe mit dem Begriff „Dunstkreis“ im Titel die Grundlage für ein gutes Autorenleben gelegt inklusive unübersehbaren Wohlstandsbauches, Haus für eine protoypische Familie mit seiner Frau Sara (Anna Schudt), zwei erwachsenenen Kindern: Carla (Kya-Celina Barucki), die schon 21 ist und sich nach einer eigenen Wohnung sehnt und Sohn Nick (Philip Müller), der unlustig fürs Abi pauken soll.

Von den weiteren Rollen ist beim Filmportal nur noch Vanessa als Judith Bohle identifizierbar. Hannes steckt in einer künstlerischen Krise. Er kommt mit seinem neuen Buch nicht voran und sein Verleger will die Reihe endgültig einstellen. Gleichzeitig wird er, das ist nun wirklich eine ausgewachsene Midlif-Crisis, mit dem Wunsch der Tochter konfrontiert, dass sie ausziehen will. Sie sucht eine Dreizimmerwohnung. Wieso? Weil nämlich auch die Mutter gleichzeitig mit ihr ausziehen will.

Eberhofer, oh, pardon, Hannes fällt aus allen Wolken. Ihm ist überhaupt nicht aufgefallen, dass, als sie das letzte Mal Sex hatten, es noch eine Bundeskanzlerin gegeben hat. Der echte Romanautor Jan Weiler, der mit Robert Gold auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt Hannes über Vanessa stolpern, dreimal, bis sie sich zum Kaffee treffen. Gut vorstellbar, dass in dem Buch auch autobiographische Elemente mitschwingen; das ist nicht weit hergeholt, wenn Autoren über Krisen von Autoren schreiben.

Sönke Wortmann jedenfalls setzt gewohnt souverän in Bilder um, was ihm das Drehbuch vorsetzt mit Schauspielern, die eine Casterin zusammengewürfelt hat. Man denkt unwillkürlich und irgendwie wehmütig an Wortmanns Debütfilm „Kleine Haie“, an seinen talentierten Umgang damals speziell mit den jungen Schauspielern und wie er sie darstellerisch zum Glänzen gebracht hat.

Was hier verfilmt wird, ist eine Literatur, die ihren Erfolg offenbar darin begründet, dass sie unbeschwert surft auf den Wellen trendiger Familienprobleme, zeitgeistnah, modisch, allerweltshaft.

Das Zimmer der Tochter sollte mal wieder gelüftet werden, meint der Vater. Und wie riecht ein Vater? Probleme sind das. Oder auch ein Jungspullover, der eine abenteuerliche Reise hinter sich hat, muss, das belegt eine Extraszene, in der Waschmaschine gereinigt werden. Putzige Familienhygiene.

Der Sohn ist am Uwe Seeler Gymnasium. Und wenn in Deutschland ein Drehbuchautor nicht weiter weiß, dann darf ein Darsteller die Frage stellen: „Was ist denn hier los?“ oder er lässt die Hauptfigur voice-over erzählen, was zu schwierig erscheint, um in Kinosprache übersetzt zu werden. In Kattenvenne macht Hannes Station auf Lesereise vor dürrem, lungenkrankem Publikum.

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