Sicherheitsbedürfnis und menschliche Schwäche
Das geschickte Ausspielen und Ineinanderverknüpfen dieser anthropologischen Grundkonstanten ist das Geheimnis des perfekten Thrillers, so wie Bart Layton ihn hier nach dem Roman von Don Winslow präsentiert.
Die menschliche Schwäche des Protagonisten Mike Davis (Christ Hemsworth) ist diejenige, bei seinen Raubüberfällen keine Spuren hinterlassen zu wollen, als Dieb unsichtbar zu bleiben und vor allem, keine Gewalt anzuwenden; er ist, das mag man als menschliche Schwäche lesen, ein Einzelgänger.
Was Mike vielleicht nicht bewusst ist, dass er aus just diesen Gründen nach einem bestimmten Muster handelt. Darauf kommt der schlaue Detektiv Loubesnick (Mark Ruffalo) von der Kriminalpolizei von Los Angeles. Er erkennt, dass der unbekannte Täter stets in der Nähe des Freeway 101 zuschlägt. Loubesnicks Schwächen sind menschlicher Art. Seine Frau Angie (Jennifer Jason Leigh) schmeißt ihn von Zuhause raus; und auch zwei seiner Untergebenen handeln trottelig, schießen auf einen falsch Verdächtigten.
Sharon (Halle Berry) wird von ihren Vorgesetzten als Schwäche ausgelegt, dass sie eine Frau und 53 ist und deshalb ihr versprochener Karrieresprung immer wieder hinausgeschoben wird. Sie arbeitet bei einer Versicherung für Superreiche. Die Schwäche von diesen ist just das Sicherheitsbedürfnis. Das lassen sie sich was kosten mit Sicherheitsdiensten und Versicherungen.
Aktuell ist Sharon an einer Police für die Hochzeit der Tochter des Trillionärs Monroe (Tate Donovan) dran, nicht nur die Hochzeit, auch die Geschenke, da sind für mehrere Millionen Diamanten dabei, sollen versichert werden. Sharon steht kurz vorm Abschluss. Sie wird zugunsten einer jüngeren, neuen Mitarbeiterin abgezogen. Hier entblößt der Film die Versicherungsheinis des blanken Sexismus.
Ganz im Hintergrund agiert Nick Nolte. Er ist der Auftraggeber von Mike. Weil dieser den neuen Job in Santa Barbara für zu riskant hält, lehnt er ab. Dafür bringt Nolte Ormon (Barry Keoghan) ins Spiel.
Eine Figur wie Nolte ist vielleicht diejenige, die sich längst jenseits von menschlicher Schwäche und Sicherheitsbedürfnis positioniert hat. Er steht in dem Game da wie ein alter, verwitterter Baum, dem kein Sturm mehr was anhaben kann.
Umso mehr kommt das Spiel der anderen Figuren in Gang. Es besteht aus dem gegenseitigen sich Beobachten, zufällig jemanden kennenlernen und dann plötzlich gemeinsame Interessen feststellen – oder auch nicht.
Der Thrill spitzt sich zu im Hinblick auf die Monroe-Hochzeit und die Ankunft der Diamanten sowie anderer Hochzeitsgeschenke aus Antwerpen. Hier wird noch auf eine weitere menschliche Schwäche verwiesen, darauf, dass der Trillionär das alles schwarz abwickeln will, um Steuern zu sparen.
Bart Layton lässt von der ersten Sekunde an keinen Zweifel, dass es sich bei seinem Film um einen Top-Thriller handelt. Geschickt montiert er Aufnahmen vom nächtlichen L. A. und dessen belebten Autobahnen unterschnitten mit schwarzen Limousen, Fahrern mit Sonnenbrillen, Details auf Armaturen, eine Pistole wird ins Bild gerückt und wie später ein Mustang auftaucht, ist sofort klar, dass einen noch einiges an vergnüglichen Verfolgungsjagden erwartet, aber auch, dass in dem geschilderten Milieu keiner keinem so richtig über den Weg traut – aus guten Gründen. Ein Heilmittel setzt der Film all dem entgegen: Yoga und der Traum aller Träume des Kleinganoven im Kleinbürger: Walk-Away-Money.