Winter in Sokcho

Wenn das Leben Regie führt

Das ist im Kino generell eher nicht der Fall. Wenn es aber so wirkt, wie in diesem Film von Koya Kaumar, der mit Stéphane Ly-Cuong auch das Drehbuch geschrieben hat nach dem Debütroman der Schweizer Autorin Elisa Dusapin, so ist das besonders apart.

Sokcho ist eine südkoreanische Provinzstadt, am Meer gelegen. Es wachsen gesichtslose Hochhäuser und Hotelbauten in den Himmel. Es gibt aber auch die Pension, die sich ‚Blue Hotel‘ nennt. Herr Park (Ryu Tae-ho) betreibt sie. Ihm hilft die junge, hübsche Sooha (Bella Kim). Sie hat französische Literatur studiert, aber Herr Park braucht Hilfe und sie unterstützt ihre Mutter (Park Mi-hyeon) beim Fischverkauf.

Sooha ist mit Joon-oh (Gong Do-yu) zugange. Der träumt davon, in Seoul eine Modelkarriere zu beginnen und mit Sooha dorthin zu ziehen und sie zu heiraten.

Das Leben plätschert provinziell und wenig ereignisreich dahin. Ein unangemeldeter Gast taucht in der Pension auf, in der im Preis Mittag- und Abendessen inbegriffen sind. Es ist der Franzose Yan Kerrand (Roschdy Zem). Sooha bringt ihn in einem wenig komfortablen Nebengebäude unter. Soohas Interesse am neuen Gast ist vielleicht stärker als bei anderen Gästen, weil er aus Frankreich kommt, denn ihr unbekannter Vater ist Franzose.

Kerrand weiß nicht so recht, wie lange er bleiben will. Sie kommt beim Saubermachen des Zimmers dahinter, dass er Maler/Zeichner ist. Selbstverständlich, da sie Französisch spricht, ist sie ihm dabei behilflich, Papier und Tusche zu besorgen. Sie anerbietet sich auch, ihm Sokcho zu zeigen. Sie machen eine Seilbahnfahrt zusammen, unterhalten sich über die Gegend und was man in die Bergformen für Figuren hineininterpretieren kann.

Das sind Dinge, die sich selbstverständlich aus Notwendigkeit und weil niemand anderes es tun kann, ergeben. Er braucht jemanden, der ihm in dem fremden Land, dessen Sprache er nicht spricht, behilflich ist. Ihr Interesse wächst. Sie beobachtet vom Nebenzimmer aus, wie er malt, ja sie quartiert sich sogar in dieses Zimmer ein.

Wie Soohas Freund einen Werbejob hat und nach Seoul ziehen will, trennt sie sich von ihm. Da ist kurz eine Parallele zu dem Film Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos, zu entdecken.

Der Film lässt frappant an das wunderbare Kino des Hong Sang Soo denken, der selbst ein Frankreich-Aficionado und Verehrer der Nouvelle Vague ist. Auch bei ihm plätschert das Leben oft in Konversation dahin und zwischendrin zeigen sich tiefere Strömungen. Es gibt Melo-Momente, in denen Sooha die Aussichtslosigkeit ihres Sehnens erkennt. Und es gibt wunderbare Animationen, die die seltsamen Gefühlszustände dieser großartigen Protagonistin illustrieren.

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