Return to Silent Hill

Künstlers Alpträume

Zu dieser Bilderwelt, die Seinsgewissheiten erschüttern kann, mag man verschiedene Zugänge versuchen.

Auf der sicheren Seite dürfte derjenige sein, der den Vorgängerfilm von 2006 kennt. Den hat ebenfalls Christophe Gans gedreht, der jetzt mit Hiroyuki Owaku und William Josef Schneider auch das Drehbuch geschrieben hat. Ebenfalls auf der sicheren Seite dürfte sich befinden, wer das dem Film zugrunde liegende Videospiel kennt.

Für den Silent-Hill-Unbedarften könnte ein Schlüssel die Eingangssequenz sein. James Sunderland (Jeremy Irvine) rast mit einem sportlichen Wagen mit Massachusettes-Kennzeichen eine kurvige Bergstrecke hinan. Wie er einem LKW ausweichen will, gerät er ins Schleudern und fährt schier Mary Crane (Hannah Emily Anderson) um. Sie wartet dort mit mehreren Koffern auf den Autobus.

In der Hektik des Ausweichmanövers schüttet ein Koffer seinen ganzen Inhalt auf die Straße, wenn das nicht schon mal Symbolik fett ist. James hilft ihr beim Zusammensammeln. Sie verpasst den Bus. Er nimmt sie mit, zurück nach Silent Hill. Oder auch: in die Unordnung in seinem Kopf. Sind die ganzen Bilder vielleicht so, wie man es oft von Nahtoderlebnissen hört, ein wilder Bilderverhau aus einem Schock, wie dem Ausweichmanöver heraus?

Dieser Zugang über die Eingangsszene bietet sich verstärkt an, da sie zweimal vorkommt im Film, der Koffer sich zweimal entleert. Seelenmüllentsorgung?

Zweite Zugangsmöglichkeit wäre die Psychiatrin, die den Protagonisten immer wieder anruft und um ihn besorgt ist, ihn an Termine erinnert. Einmal spricht sie von Traumata eines Veteranen. Veteran von welchem Krieg, Afghanistan?

Es ist schwierig, sich für einen Zugang zu entscheiden, als der Bilderwelt in diesem Film durchgehend etwas Gekünsteltes, Nachbearbeitetes anhaftet. Es ist nicht so, dass irgend eine Szene auch nur annähernd realistisch präsentiert wird, nicht mal die Ausweichmanöverszene am Anfang. Hier ist die Landschaft dahinter wie künstlich erhellt.

Einen dritten Ansatz bietet der Besuch im Atelier von James. Er ist Maler. Er hat auf seiner Staffelei ein Selbstporträt in Arbeit. Das verunstaltet er. Er wandert durch die Galerie all der Frauen, die ihm im Kopf herumgehen.

Das Wetter ist extrem, Unwetter, Regen. Die Traumata erzeugen Zombiefantasien, künstlerisch geschmackvoll, fantasievoll. Man bekommt den Eindruck, man müsse Traumdeuter werden. Das Lakeview-Hotel am See brennt einmal aus. Das Wasser spielt eine Rolle, Nebel, das Feuer. Graue Ruinenlandschaften, die im nächsten Moment wieder belebt sind.

Es ist einer der Film, bei denen man froh ist, beim Verlassen des Kinos wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, eine Realität, die man für glaubwürdig hält, die Kinoschaufenster, die geparkten Autos auf der Straße, die Passanten. Es ist ein Film, der konsequent an Gewissheiten kratzt. Vielleicht auch das Porträt des Künstlers als eines geplagten, traumatisierten Menschen, der nicht loslassen kann.

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