Das Steinzeitgehirn aufwecken
Dass das menschliche Hirn sich seit der Steinzeit kaum entwickelt habe, ist eine der frühen Infos in dieser geschmackvollen Dokucollage von Heidi Ewign und Rachel Grady. Daraus dürften nicht wenige der Probleme des modernen Menschen mit der Informations- und Kommunikationsflut der IT-Zeit herrühren. Es gibt den Versuch, ein Mittel dagegen zu entwickeln. Die Volkshochschule Pasvik bietet so eines an.
9 Monate können junge Menschen vor dem Eintritt ins Erwachsenenleben Eigenverantwortung und Unabhängigkeit lernen mittels arktischem Überlebenstraining und Hundeschlittenfahren. Es kommen junge Menschen aus ganz verschiedenen Ländern.
Die beiden Dokumentaristinnen rücken zwei Jungs und ein Mädel, Tore, Romain und Hege, ins Zentrum ihres Interesses.
Pasvik liegt in der Finnmark in Norwegen, 300 Kilometer über dem Polarkreis unweit der russischen Grenze. Hier herrscht wochenlang Polarnacht. Dafür gibt es als schönen Beitrag ins Portefeuille der geschmackvollen Bilder Polarlichter zu sehen. Wie die beiden Filmemacherinnen überhaupt sehr gediegen das Footage aus ihren Clips ausgewählt und aneinandergeschnitten haben.
Eingepackt wird das Dokumentarische mit der Geschichte von Odin und den Nornen. Odin, der auf den Baum des Lebens zuschreitet, auch das in gepflegte Bilder geprägt, erbittet sich von den Schicksalsgöttinnen ein gelungenes, glückliches Leben. Sie stricken zwar an ihren roten Fäden, aber die Verantwortung für sein Glück liege allein bei ihm. Das heißt, auf die Übung mit den jungen Menschen übertragen, sie müssen selber Dinge wagen, müssen sich aus ihrer Komfortzone herausbegeben.
Es fällt nicht jedem leicht, allein in winterlicher Polarnacht mit einem Husky übernachten zu müssen, ein Feuer anzufachen. Speziell bei dieser Szene wird einem allerdings auch ein Problem dieser Art von Mäuschen-Doku bewusst, die sich selber unsichtbar macht, allenfalls mal als stummer Interviewpartner spürbar wird.
Mit dem Alleinsein ist es nicht so weit her, wenn noch ein Kamerteam dieses Alleinsein aufnehmen soll. Das Problem geht weiter. Es gilt genau so für kleine Gruppen. Auch hier verändert ein Filmteam die Situation und die Protagonisten können das ja nicht so leicht ausblenden, erst recht nicht, wenn sie angehalten sind, sich vor der Kamera über ein bestimmtes Thema zu unterhalten. Insofern wird eine, wenn bestimmt auch gefällige und sicher viele ansprechende Realität entworfen, die es so eben nur für den Film gibt.
Der rote Nornenfaden ist ein durchgängiges Motiv. Es macht Äste im Schnee besonders fotogen.