Ein Kuchen für den Präsidenten

Die Würde bewahren,

in den Spiegel schauen können oder wie Bibi (Waheed Thabet Khreibat) ihrer neunjährigen Enkelin Lamia (Baneen Ahmad Nayyef) erzählt, dass man seine Liebesten sehe, wenn man in die Wasseroberfläche schaue.

Bibi und Lamia leben in einer kargen Hütte aus Schilfrohr und Naturmaterial mitten im Wasser der mesopotamischen Marschlandschaft im Süden Iraks. Es ist der 26. April 1990; der Geburtstag des Diktators Saddam Hussein steht bevor.

Der muss gefeiert werden, auch in der Schule von Lamia. Sie wird ausgelost, für diesen Geburtstag einen Kuchen zu backen. Das ist ein Problem, wegen der herrschenden Nahrungsknappheit und auch wegen der ärmlichen Verhältnisse, in der Lamia mit ihrer Großmutter lebt.

Von dieser Aufgabenstellung her erinnert der Film an Amrum. Hier will der Junge Nanning seiner Mutter kurz vor Kriegsende 1945 ein Weißbrot mit Honig organisieren.

Die Schwierigkeit ist vergleichbar. Die Begründung allerdings ist dort direkt mitmenschlicher Natur und das Organisieren wird vom Jungen mit Idealismus betrieben. Lamia aber lebt in einer menschenverachtenden Diktatur. Wenn Schüler ihre Aufgabe nicht erledigen, droht ihnen Ungemach.

Als Beispiel wird Rasul erwähnt, der am Boden geschleift wurde. Trotzdem schildert Hasan Hadi, der auch das Drehbuch geschrieben hat, Lamia nicht als angstgetrieben. Es ist eine Aufgabe, die sie mit Ernst, Schläue und Ehrlichkeit erledigen möchte. Sie fährt mit ihrer Oma in die Stadt, um die nötigen Zutaten für den Kuchen zu beschaffen. Mit ihnen ist auch ihr Mitschüler Saeed (Sajad Mohamad Quasem), der mit dem „verkrüppelten Vater“, wie er gehänselt wird.

Der Weg beginnt mit dem Ruderboot. Auf der Straße geht es per Anhalter weiter. So enthält der Film Road-Movie-Elemente.

Ein treuer Begleiter von Lamia ist ihr Hahn Hindi, den sie in ein Stück Stoff eingebunden mit sich trägt. In der Stadt kumulieren sich und kulminieren die Ereignisse.

Der Film benutzt seine Story, um das Leben im Irak in dieser Zeit zu schildern. Ständig sind Kampfflugzeuge am Himmel. Es ist ein korruptes Land, überall wechselt Bakschisch die Hände und Bilder des blutrünstigen Diktators zieren die Wände. Demonstrationszüge bejubeln den Blutherrscher.

Wie in souveränem Erzählkino gerne eingesetzt, gibt es Anlässe für musikalische Darbietungen. Es ist ein zutiefst humanistische Kino, das zeigt, wie Menschen versuchen, in einer menschenverachtenden Diktatur über die Runden zu kommen, ungeschoren davonzukommen und dabei ihre Würde zu wahren.

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