Stormfrei
Viel ist vom Theodor Storm im Drehbuch von Léonie-Claire Breinersdorfer nicht übrig geblieben.
Es gab ja wohl auch noch zwei Fernsehredakteure, so ist es dem Abspann zu entnehmen, die vermutlich dreingeredet haben und ferner ist dort eine Position für die Dramaturgie vermerkt. Dieser ist vielleicht zu verdanken, dass keine Szene zu lang wird, damit Fernsehzuschauer gar nicht erst auf Wegzappgedanken kommen, und dafür, dass sich in schöner Regelmäßigkeit Liebes- und Familienszenen, solche von der Natur, dem Meer und der Naturgewalt, ab und an einem Schimmel oder einem Pferdeskelett mit solchen, die das übriggebliebene dramaturgische Rohgerüst der Storm-Erzählung noch hergibt, abwechseln.
Von der raffiniert verschachtelten dreifachen Rahmenhandlung der Novolle ist lediglich eine krude Verkürzung auf den voice-over eingesprochenen Text eines Kindes, der sich wenig literarisch anhört und den man auch gleich wieder vergisst, übriggeblieben. Das Kind spielt mit einem Drachen.
Die Erzählung geht wohl um das Schicksal der beiden Protagonisten Hauke (Max Hubacher) und Elke Haien (Olga von Luckwald, die oft und bereitwillig ein ZDF-Lächeln aufsetzt). Kurz angerissen wird der Tod des alten Deichgrafen. Dadurch stellt sich das Problem der Nachfolge. Um diese konkurrieren Hauke und der Unternehmer Ole Petersen (Nico Holonics).
Der Film spielt im Heute; der Stoff ist der modernen Klimaproblematik, der Erderwärmung und dem Ansteigen des Meeresspiegels angepasst. Die Hauptauseinandersetzung ist die über die technische Frage, wie dem zu begegnen sei, mit immer neuen Verstärkungen der Dämme oder mit einer innovativen Idee, die Hauke hat; weit entfernt von großem, literarischem Stoff.
Die Beharrkräfte gegen die Weiterentwicklung, wie sie in jedem Bauerntheater schnell mal auf die Bühne gebracht werden. Zur Zeit sind wir verwöhnt mit Filmen von der Nordsee, von den Halligen: Amrum vom Fatih Atkin oder Yunan. Dagegen hat es dieser Film in der Inszenierung von Francis Meletzky schwer.
Das Ensemble wirkt inhomogen, das hat mit Drehbuch, Casting und Regie zu tun; auch sprachlich herrscht eine Beliebigkeit zwischen TV-Deutsch und Dialektfarben. Max Hubacher, der schon mehrfach positiv in Erscheinung getreten ist (Der Hauptmann, Die feige Schönheit, Monte Veritá scheint mit Rolle, Drehbuch, Regie, der norddeutschen Mentalität und Pferden zu fremdeln.
„Frei nach Theodor Storm“ bedeutet für die Drehbuchautorin, dass sie Sätze schreibt, wie „Scheiße, das geht nicht“ oder „Ich will nicht lang drumherum reden“ oder „Was ist das denn fürn Scheiß?“. Manchmal fallen auch zu deutlich gschminkte Gesichter auf.