Tagträumerin
oder
wie die Pubertät einem eins reinwürgen kann oder von der Unmöglichkeit der Pubertät
Lucia (Jara Sofija Ostan) ist 16. Sie hat noch keine Periode gehabt, niemanden geküsst, geschweige denn erotische Erlebnisse oder Sex gehabt. Der Hunger danach, die Sehnsucht, die Neugier werden mit jedem Tag stärker, lenken sie von allem anderen ab, lassen sie in Tagträumereien versinken.
Momentweise wirkt Lucia wie ein Alien. Sie kommt neu in einen Chor aus lauter Mädels in ihrem Alter. Der verreist für ein paar Tage in ein Frauenkloster, um konzentriert für ein Konzert zu üben. Über ein Lippenstiftgeschenk, das sie von einer Verwandten aus Paris bekommen hat, entsteht die enge Freundschaft zu Ana-Maria (Mina Svajger). Die ist reifer, nicht ganz so unschuldig, schminkt die Lippen.
Die Mädels vom Chor haben eine doppelte Sicht auf die Welt. Einerseits singen sie wunderschön, sind voll bei der Sache. Andererseits können sie es nicht lassen, ihre Augen immer wieder zu den Shorts des energievollen Chorleiters (Sasa Tabakovic) gleiten zu lassen.
Im Kloster sind Arbeiter zugange. Sie würden nicht Slowenisch sprechen, wird erklärt. Die sind für die Mädchen eine besondere Attraktion, erst recht, wenn sie zum Schwimmen gehen.
Lucia nimmt diese Ablenkungen weniger cool als die anderen Mädchen. Sie haben sie voll im Griff. Auch die vielen Marienstatuen sind für sie unwiderstehlich.
Urska Djukic, die mit Marina Gumzi und Maria Bohr auch das Drehbuch geschrieben hat, versetzt sich in ihrem Film ganz in die Situation von Lucia. Sie lässt die Kamera selbst wie eine Tagträumerin mal an einem Detail, einem Stück Frauenhaar, einem Gesichtszug hängen. Sie lässt ihre Protagonistin den Verführungen keusch sich nähern, eine intime Annäherung zwischen ihr und Ana-Maria, ein schüchterner Versuch mit dem Chorleiter, wie er am Klavier übt oder wie einer der Arbeiter allein badet, nackt, mein Gott.
Es sind keine gelungenen, vollendeten Versuche. Im Gegenteil, beim Chorleiter schlägt es ins Gegenteil um. Es gibt auch ein Gespräch mit Schwester Kati (Tomazin Irena), die die andere Liebe, für die die Nonnen sich entscheiden, lobt. Lucia wird aus allem dem ihre Schlüsse ziehen müssen.