Experimentierfreudige Doku
Diese vergnügliche Dokumentation – der Titelzusatz müsste präziser lauten „Ein Film MIT Alleinerziehenden“- von Anna Hepp, die mit Stefan Lampadius auch das Konzept entwickelt hat, wirkt wie ein zusammenfassender Abschlussfilm über einen Workshop für Alleinerziehende.
Ort ist eine aufgelassene Fabrikhalle, es liegt noch – symbolisch- (Beziehungs)schutt rum, es gibt Nebenräume. Die Protagonisten tragen legere Klamotten wie sie für Bewegungs- und Tanzworkshops empfohlen werden.
Es sind acht Frauen (Marguerite, Anke, Birgit, Inga, Nahla, Meike, Doinbika, Bianca) und zwei Männer (Helmut, Sven).
Es gibt verschiedene Gründe für das Alleinerziehendsein. Es sind vor allem bewusste Trennungen, passiv wie aktiv, es gibt aber auch den Tod des Partners.
Die Dokumentaristin verwendet eine übliche Art von Shots für Talking-Heads, direkt in die Kamera wird erzählt. Hier sind die Darsteller salonfähig angezogen.
Der Workshop in der Halle stellt Verschiedenes an. Er lässt die Menschen allein, wie verloren, in dem riesigen Raum stehen oder gehen, Kletterversuche. Sie treffen sich auch. Es gibt dialogischen Gesprächsaustausch.
Die Kamera entwickelt mitfühlendes Eigenleben, es kann ihr auch schwindlig werden oder sie rast wie irritiert in der Halle umher.
Es gibt Gruppenübungen zur Entspannung und Teamübungen. Die Dokumentation wirkt wie ein Experimentalfilm, ein Stück weit essayistisch.
Zum Eindruck einer künstlerischen Installation trägt der Einsatz eines erst gegen Ende ins Bild gerückten Sängers bei (Thilo Dahlmann als Volksmund) bei, der Zitate, die wie ironisch-kommentierende Ondits zum Thema wirken, gesanglich performt. In den Diskussionen dominieren die positiven Seiten des Alleinerziehens. Zum Abschluss gibt’s eine optimistische Tanzperformance.