Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Familiärer Harmoniebedarf

Familiär ist dieser Film von Simon Verhoeven gleich doppelt, einerseits weil er im Schauspielermilieu spielt und zweitens, so mein Eindruck, dass seine Filme generell einen familiären Eindruck erwecken, aus Gründen der Atmosphäre, verstärkt noch durch die Besetzung.

Hier spielt seine Mutter, Senta Berger, eine der Hauptrollen, diejenige der Oma des Protagonisten Joachim Meyerhoff, nach dessen Roman das Drehbuch verfasst wurde, im Abspann taucht aber auch als Verwandte Stella Maria Adorf auf, eine Nicht von Senta Berger, das sind bei Leuten, die ihr Leben lang so in der Öffentlichkeit standen, keine Geheimnisse.

Zu vermuten ist, und das ist ja kein Nachteil für die Atmosphäre, dass auch der eine und die andere des Castes mit der Familie auf die eine oder andere Art vertraut ist. Das hebt sich deutlich ab von Produktionen mit eine 0815 Cast. Auch der Gastauftritt eines Nikolaus Paryla lässt weit zurückliegende Wiener Connections vermuten.

Im Roman schildert Joachim Meyerhoff seine Zeit als Schauspielschüler an der renommierten Otto Falckenberg Schule in München. In der Zeit hat er bei seiner exzentrischen Oma im Stadtteil Nymphenburg gewohnt. Von allem, was ich vorher über das Buch gehört hatte, war meine Vorstellung von der Oma doch exaltierter als jene der Darstellung von Senta Berger. Bei der Oma zuhause wurde mit Schnaps gegurgelt, und das war nur eine von wenigen Momenten im Tagesverlauf, in denen in jener Villa Alkohol verinnerlicht wurde.

Den junge Joachim spielt das Nachwuchstalent Bruno Alexander, eine Traumrolle für einen begabten Schauspieler, umso mehr, als Joachims Schauspielschulzeit alles andere als glatt verlief, er mit Widerständen zu kämpfen hatte.

Der Film scheint sich brav an den Roman zu halten, diese typische Art von Drehbucharbeit, man liest die Vorlage und kristallisiert Szenen heraus oder wo das zu schwierig erscheint, wird zum Mittel des Icherzählers gegriffen. So wird der Film eine nette Aneinanderreihung von anekdotischen Szenen, die vor allem Theaterbegeisterte mit einem Blick hinter die Kulissen, mit diesem Blick in so eine Ausbildung, entzücken dürften, sei es mit Sprech- oder Körperübungen.

Es gab schon Dokumentarfilme über solche Institute; nach meiner Erinnerung besteht dann doch eine merkliche Differenz zu dem, was dort zu sehen war und dem, was hier vorgespielt wird; oder man könnte sagen: die Darstellung hier entspricht nicht unbedingt gründlichem Studium der Realität.

Durch das Familiäre bleibt allerdings auch eine klare Differenz zu dem, was großes Kino sein könnte; vielleicht passt die Schublade: gehobeneres Gebrauchskino. Es wird in Deutschlad sein Publikum finden; es ist gut konditioniert auf solches Kino.

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