Vom Charme der technischen Entwicklung
Selbstverständlich geht es in diesem Film, der gewisse technische Entwicklungen nicht nur von Haushaltsgeräten, sondern auch im Mobilitäts- und Kommunikationsbereich zwischen den 50er Jahren und heute charmant reflektiert, auch darum, augenzwinkernd vielleicht, ob sich die Menschen auch entwickelt haben und, ja, die Antwort, wiederum augenzwinkernd, fällt positiv aus.
In diesem belgisch-französischen Film von Vinciane Millereau, die mit Julien Lambroschini auch das Drehbuch geschrieben hat, sind Hélène Dupuis (Elsa Zylberstein) und Michel (Didier Bourdon, ein rundlicher Komikertyp, der so manchen Schicksalsschlag abfedert) ein typisches, spießiges 50-er Jahre Ehepaar. Leicht überzeichnet. Er ist der subalterne Bankangestellte. Sie ist die piekfein geschminkte und hergerichtete Hausfrau.
Er ist fortschrittsfeindlich. Kreditanfragen zur Entwicklung von Sicherheitsgurten erteilt er genauso eine Absage wie der Firma IKEA (die somit eine originelle Werbung plaziert). Geizig oder sparsam ist er außerdem. Wenn sein Nachbar Jacques einen Fernseher sich zulegt, um Fußball nicht nur am Radio hören zu können, stößt das bei Michel auf Unverständnis.
Wie seine Frau, die der Film lustvoll beim mühsamen Waschen von Hand mit einem Wäschezuber und Waschbrett zeigt, eine Waschmaschine gewinnt, sieht er die Chance, das teure Gerät zu vesilbern und stattdessen etwas Sinnvolles zu kaufen.
Der Film macht einen gewagten Sprung in die Heutezeit. Allzuviel sollte man ab jetzt die Logik nicht mehr bemühen, da würde man schnell an seine Grenzen kommen.
Wenn man sich aber damit begnügt, das als reizvolle Gegenüberstellung des Denkens und Handelns in der 50ern und dem Heute zu sehen, der kann wieder und wieder kichern und schmunzeln, wird herzhaft unterhalten, denn es wird in der Art der hochentwickelten französischen Filmkultur mit unwiderstehlichen Schauspielern vorgetragen.
Es entstehen ähnliche Effekte wie bei Filmen über Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, sich für Jahrzehnte dem Zeitgeschehen entzogen haben und dann plötzlich in die Heutezeit geworfen werden.
Hélène ist jetzt auf einen Schlag diejenige, die arbeitet, ja sie ist in der Bank zur Chefin befördert worden und der ehemalige Boss von Michel, Lantier (Francois Perache), bietet ihr ehrerbietig Kaffee an. Michel dagegen kämpft zu Hause mit modernen Staubsaugrobotern und mit der Stimme der KI, die die Haushaltsgeräte steuert.
Der Film grast das weite Feld der Unterscheidungsmöglichkeit ab bis zur Veränderung der Heiratsgewohnheiten. Tochter Jeanne (Mathilde Le Borgne), die in den 50ern vom Buddelkastenfreund und Nachbarsjungen André (Esteban Delsaut) „in einer Sekunde“ geschwängert wird und heiraten soll, will jetzt die Ehe mit einer Frau schließen. Im Hintergrund spielt die Politik mit, damals ging es um die Gründung der 5. Republik.