The Housemaid – Wenn sie wüsste

Muttergestörtes Söhnchen

Andrew (Brandon Sklenar) ist der perfekte, schöne, erfolgreiche Mann, verdammt gut aussehend, verständnisvoll, immer freundlich, immer ein Lächeln auf den Lippen. Er wohnt mit seiner nicht minder gut aussehenden Blondine von Frau, Nina (Amanda Seyfried), in einem protzigen Villenanwesen in New York.

An Personal gibt es noch den grimmig dreinschauenden, wortkargen Gärtner Enzo (Michele Morrone). Erstaunlich wenig für so viele Zimmer und so viel Umschwung.

Da ist auch noch das siebenjährige Töchterchen Cece (im Amerikanischen ausgesprochen hört es sich wie Sissi an). Die schaut finster, kein Wunder, sie nimmt Ballettstunden, deshalb ist ihr Haar wohl auch streng gekämmt. Fast so streng wie das ihrer Oma, der Mutter von Andrew, Evelyn (Elizabeth Perkins), die immer weiß, was für ihren Sohn gut ist und die sein Lächeln mag, es ihm vielleicht antrainiert hat.

Die Familie sucht ein neues Kindermädchen. Millie (Sydney Sweeney) meldet sich. Von ihr erfährt der Zuschauer, dass sie keine Wohnung und kein Geld hat, dass sie in ihrem schäbigen Kleinwagen lebt.

Der souverän zusammengestellte Film von Paul Feig nach dem Drehbuch von Rebecca Sonnenshine, die den Roman von Freida McFadden bearbeitet hat, ist einer von der Sorte, bei dem man unweigerlich spoilert, wenn man ihn beschreiben möchte.

Der Film selbst sieht sich bei IMDb als Thriller, von mir aus gesehen nicht ganz treffend, die Kategorien Horror oder gar Psychohorror wären zutreffender. Man könnte ihn als das Porträt eines Psychopathen bezeichnen, allein all das spoilert zu viel.

Der deutsche Titelzusatz „Wenn sie wüsste“ verrät immerhin, dass offenbar der faszinierende, männliche Glanz nur Fassade ist, der Eindruck des gutmütigen Trottels, den er zeitweilig abgibt, möglicherweise nur vorgetäuscht, und aus einer gewissen Filmerfahrung heraus könnte hochgerechnet werden, dass es dahinter ziemlich duster aussieht.

Lange Zeit wirkt der Film wie ein Bericht nach Aktenlage, nüchtern, jedoch spannend aufgedröselt. Man glaubt erst alles zu wissen. Bis man dann mehr erfährt.

Es ist ein Thriller über menschliche Verdrängung, Abhängigkeit, Unterdrückung und Machtmissbrauch. Ein Film auch über menschliches Kalkül. Ein Fim aber auch, das macht ihn so quasi klinisch, der in keiner Weise psychologisiert, sondern in all seinem Horror faktenbasiert sich gibt; er täuscht mit den Mitteln des filmischen Kammerspiels noch dazu anfänglich ein anderes Genre vor. Und nur nach und nach gibt auch die Kamera zu verstehen, dass sie weiß, dass wir in einem puren Horrorfilm gelandet sind. In den Sexszenen ist der Film nicht ganz so prüde wie der amerikanische Mainstream inzwischen, hier entledigen sich die Mimen schon mal eines Teils der Unterwäsche oder sogar aller.

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