Smalltowngirl

Dieser Schmerz

Ein doppelt delikates Thema nimmt sich Hille Norden für ihren Film vor: Minderjährigkeit und Sex und Sex und Gewalt.

Nore (Dana Herfurth) ist Nymphomanin (im Film selber wird der Begriff nicht verwendet). Und das schon seit lange vor der Volljährigkeit. Eine ihrer ersten Fragen lautet, die eigentliche Frage sei, sie wird in einer Kneipe mit mehreren Rumhängemännern gestellt, wer sie als nächstes ficke.

Wer so etwas als ‚eigentliche Frage‘ in den Raum stellt, gibt dezidiert einen gewissen Level an Oberflächlichkeit vor. Jonna (Luna Jordan) beobachtet wie fixiert Nore. Sie wird sich keck zwischen sie und einen Mann hocken und sie auf ihre lesbische Seite hin anmachen. Daraus wird eine Freundschaft, in der viel über das Ficken geredet wird und Nore etwas ihre Vergangenheit lüftet.

Als pubertierendes, männergeiles Mädchen wird Nore gespielt von Vera Fay.

Es ist der Film einer gequälten Seele, ein Film zum Sichten und Ablegen. Es ist ein Film, der mehr auffällt durch seine expressive Kamera – sie könnte sich an der Malerei eines Goya orientiert haben und sie setzt die Räume klar als Kulisse ein.

Der Sound ist ein alarmistischer Sound; es spielen eine Menge austauschbarer Männer mit; diese Austauschbarkeit ist dem Drehbuch zu verdanken.

Es ist ein Film, wo man neugierig wäre, wie er ausgeschaut hätte, wenn nicht jede Menge dramaturgischer Berater und dazu noch die ZDF-Redaktion vom Kleinen Fernsehspiel ihre Finger im Spiel gehabt hätten. Vielleicht wäre dann wirklich ein kleiner, wilder, schmerzhafter, wüster Film draus geworden, eines der erinnernswerten guilty pleasures des Kinojahres, das die Geschichte der vielen Narben, die die Maskenabteilung mit beachtlichem Einsatz auf nackte Körperteile geschminkt hat, aufregend erzählt.

Möglicherweise also legt der Film Zeugnis ab vom Mittelmaß einer Menge von Beratern. Ohne diese wäre vielleicht ein Film draus geworden, bei dem nicht nach jeder schmerzhaften Szene gefühlt eine Kuschel- und Streichelszene kommen muss. Vielleicht wäre ein Film draus geworden, der wie Edward Munchs Schrei in die Welt hinausbrüllt von der Unfähigkeit der Menschen im Umgang mit Liebe und Sex. So aber dürfte niemand mit dem Resultat recht glücklich sein.

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