Exzellentes Theaterstück
Das Theaterstück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob war ein Hit auf den deutschen Bühnen. Es sorgte landauf, landab für ausverkaufte Häuser.
Verständlich ist der Wunsch, aus so einem Erfolg auch einen Film zu machen. So kommen in Deutschland fast zwangsläufig Fernseheinflüsse dazu; im Abspann findet sich Degeto und finden sich Fernsehredakteure und Script-Beratung.
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass auch nur irgendjemand sich die Frage gestellt hat, wie das Stück filmisch zu einem Drehbuch verarbeitet werden kann, das dem Film dann jene filmischen Qualitäten verleiht, die ihn zu einem entsprechend großen Erfolg im Kino machen könnten. Diese Frage scheint hier niemand gestellt zu haben.
Die Fragestellung schien eher die gewesen zu sein, wie lässt sich mit Einfällen das dialogdominierte Stück visuell aufmotzen. Es bieten sich Ballspukmaschinen auf dem Tennisplatz an. Oder ein Gag mit einem „Betreten Verboten“- Schild an einem See, ein Spiel mit Hosenträgern, eine Treppenliftaction von Hape Kerkeling als Vereinsvorsitzendem Heribert, gar eine Ischias-Geschichte für ihn oder Pillen- und Rollstuhlaction für die wunderbare Gaby Dohm als Mutter von Matthias.
Für das Drehbuch stehen auch hier die beiden Autoren; der Torso ihres Stückes scheint gewahrt.
Im Theater in der Komödie im Bayerischen Hof war es ein furioser Abend in der Inszenierung von Michael von Au. Der hat eine pointierte Sprach- und Dialogregie geführt. Davon scheint Rosenmüller relativ unbeleckt.
Im Theater fängt das Stück mit einem staubtrockenen Schlusspunkt an. Ende der Hauptversammlung des Tennisvereins von Langenheide. Im Theater haben die das so desillusionierend gebracht, dass man dachte, jetzt könne man gleich nach Hause gehen.
Im Kino hat Marcus H. Rosenmüller versucht, das so bunt und lebendig wie möglich zu gestalten. So fehlt schon mal das Sprungbrett mit der klitzeleinen Zusatzfrage des zweiten Vorsitzenden des Vereins Matthias (Friedrich Mücke, der brillanteste unter den Darstellern) wegen dem Grill.
Die atemberaubende Mechanik des Theaters, eine Art Jojo-Effekt, die fehlt im Film. Im Theater glaubt man immer wieder, so jetzt ist das Thema erledigt und dann lässt eine Zusatzfrage das zentrale Thema, das ist jenes der Integration, wird hochschießen.
Im Kino geht es sozusagen linear zu und her. Auch wird im Theater von Anfang an deutlich, dass Melanie (Anja Knauer) und Erol (Fahri Yardim) das Traumdoppel des Vereins sind und die sportliche Stütze schlechthin. Umso spannender wird das Thema mit dem Grill. Die Forderung, für das Vereinsfest einen zweiten Grill anzuschaffen, damit Erol mit türkischen Hintergrund eine Halal-Bratwurst grillen und genießen kann.
Wenn das Theaterstück auf der Bühne ein Hochkonzentrat ist, so wirkt der Film wie eine Schorle.
Extrem mühsam ist die Witzgeschichte mit der schweren Geburt eines nicht besonders orginellen Ausländerwitzes. Die Besetzung im Kino mit Hape Kerkeling kommt nicht an Gerd Wittman im Bayerischen Hof heran, wobei das hier nicht um die Evaluierung von Schauspielerqualitäten geht, sondern um das Typecasting; da müssen sich die entscheidenden Redakteure, denen es vielleicht primär um einen bekannten Namen ging, oder die Castingabteilung an der Nase nehmen.
Hallo Stefe
für jemanden wie mich, die das Theaterstück nicht gesehen hat, ist es ein durch und durch amüsanter Film.
Ich konnte von Herzen lachen.
Liebe Grüsse
aus der Schweiz