Song Sung Blue

Üppig emotionale Hommage

an das Duo Thunder & Lightning, das es tatsächlich gegeben hat.

Darüber hat Greg Kohs 2008 eine Dokumentation gleichen Titels gedreht. Diese wiederum hat Craig Brewer als Grundlage für seine fiktionale Hommage genommen.

Der Wirkungskreis des Ehepaars Mike (Hugh Jackman) und Claire (Kate Hudson) ist Milwaukee; hier tritt es auf als Teil einer Karaoke-Gruppe und als Neil-Diamond-Tributband. Von seinem Topos und seiner Haltung diesem gegenüber erinnert der Film an Entertainment und The Comedy, von der Liebe zur Kunst her an Marios Destino. Von der Machart her unterscheidet er sich dagegen.

Craig Brewer hat sich für gefühlsvolles Melodram entschieden, das auch den Gedanken, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, nicht auslässt. Der Stoff gibt das her. Die Geschichte der beiden ist voll tragischer Momente, die mit Glücksmomenten gegengewogen werden.

Der Film wird eröffnet mit einem Solo von Mike. Er feiert in einer Runde Anonymer Alkoholiker seinen 20. Trockengeburtstag. Er tut das mit Gitarre und einem Song.

Mike tritt zu der Zeit mit einer Gruppe von Karaoke-Künstlern auf. Die spannendsten Figuren sind die beiden Manager, Tom D’Amato (Jim Belushi) und sein Zahnarzt Dr. Dave Watson (Fisher Stevens). Hier lernt er Claire kennen. Sie heiraten, treten fortan als das Duo ‚Thunder and Lightning‘ auf.

Beide bringen je eine erwachsene Tochter in die Ehe, Mike auch noch einen Buben. Irgendwie kommen sie über die Runden in ihrem Haus, das direkt unter der Einflugschneise eines Flugplatzes liegt, ein paar Mal am Tag donnert ein Jet wenige Meter über das Dach hinweg.

Gefährlicher aber sind die Autos. Ein Fahrer, der in der gemütlichen Einfamilienhäuser-Siedlung die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert, fährt Claire an; sie verliert einen Unterschenkel. Sie reagiert nicht gut darauf, wird mutlos, untätig; die Medikamente haben einen negativen Einfluss auf ihre Psyche.

Es folgt eine tragische Phase im Film mit wenig Musik auf der ansonsten gut mit Neil Diamond und dem Genre bespickten Tonspur. Der Film will ein Mutmacher sein. Man muss den Glauben an sich wiederfinden, bevor Ehe, Familie und Kunst zerbröseln. Es weht ein Hauch Heilsgeschichte durch den Film, von einer emotionalen Katharsis ist die Rede. Dramaturgisch könnte es nicht passender sein für ein Melodram: es folgt eine Agonie mit traumhaftem Höhepunkt vor dem tragischen Ende der Geschichte. Sie wird ausgiebig realitätsnah erzählt und lässt sich genügend Zeit für die Musik.

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