Vorspielerei
Die Idee hat Charme. Um seine Einsamkeit und sein Alleinsein zu kaschieren, mietet man Mitmenschen. Das geht in Tokio leicht. Hier gibt es die Agentur „Rental Family“. Sie besteht aus dem Casting Director (Shinji Ozeki) und seinen Mitarbeitern.
Bei einem verpatzten Mietauftritt als Trauergast wird Phillipp Vanderploeg (Brendan Fraser) von der Agentur entdeckt. Sie verspricht ihm spannendere Rollen in Japan, als immer nur den bösen Amerikaner zu spielen.
Brendan Fraser kann hier als willkommener Fremdkörper sein Rollennaturell, das so gar nicht dem negativen Klischeeamerikaner entspricht, bequem entfalten: ein Typ, der schwerenöterisch durchs Leben geht, der gerne mal strauchelt, immer freundlich lächelt, dem eigentlich nichts was und niemand anhaben kann.
Seine zwei wichtigsten Mietrollen in diesem Film von Hikari, die mit Kameramann Stephan Blahut auch das Drehbuch geschrieben hat, sind die eines Vaters für ein vaterloses Kind und jene eines Journalisten, der einem greisen Schauspieler Wichtigkeit vorspielen soll.
Von der Grundidee her erinnert der Film an Pfau – Bin ich echt?. Von der Ernsthaftigkeit, wie Komödie gespielt werden soll, weniger an einen Billy Wilder, mehr an ein Fernsehformat wie „Pleiten, Pech und Pannen“.
Die Regisseurin bedient sich locker bei typisch japanischen Klischees, dem Fujiama, den Kirschblüten und, es scheint, als mache sie sich lustig über die zeremoniellen Begrüßungsrituale.
Originalität will die Regisseurin beweisen mit dem erfundenen Filmtitel „Ronan von Hiroshima“. Oder sie amüsiert sich über Werbespots am Beispiel von Philipp Vanderploeg in einem übertriebenen Zahnpastaclip. Kindermund darf auch nicht fehlen, das Mädchen mit dem gemieteten Vater wundert sich, warum die Erwachsenen so viel lügen, worauf der Mietvater meint, das sei eben einfacher, was sich mehr dahingeschwatzt als nach reflektierter Antwort anhört.