It Was Just an Accident – Ein einfacher Unfall

Roadmovie durch eine Diktatur

Der kleine, titelgebende Unfall, der im internationalen Titel auf Englisch den Unfall mit dem Begriff „just“ relativiert, es war ja nur ein Unfall, wirft ein modellhaft inszeniertes Schlaglicht auf die menschenverachtende, politische Situation im Iran, auf den größtmöglichen gesellschaftspolitischen Unfall, ein Mullah-Regime, dem Einkerkerung, Folter, Einschränkung der Meinungsfreiheit und Todesurteile die geeigneten Mittel scheinen, um Ruhe und Stabilität im Lande und in erster Linie die eigene Macht zu erhalten. Das kann groteske Nebenwirkungen zeigen, wie Exemplum von Jafar Panahi (Taxi Teheran, Drei Gesichter) demonstriert.

Ein kleiner Zusammenstoß mit einem Tier bei einer nächtlichen Fahrt bringt das Auto des namentlich vorerst nicht näher identifizierbaren Protagonisten (Ebrahim Azizi) ins Stottern. Ein Mann will sich ihm behilflich zeigen. Er sucht in seiner Garage nach Utensilien. Vahid (Vahid Mobasseri), der dort arbeitet, hört die Stimme und den Gang, der Mann hinkt; der Lauscher ist elektrisiert. Er verfolgt den Hinkemann. Er vermutet in ihm einen seiner Folterer aus dem Gefängnis. Unter den Folgen leidet er heute noch; weil er immer die Hand an die Nierengegend hält, wird er Gießkanne genannt. Das erfährt man im Laufe des sich entwickelnden Roadmovies.

Vahid entführt den mutmaßlichen Täter in seinem Van. Er will ihn lebendig begraben. Zweifel kommen hoch, ob er es wirklich ist. Andere, ehemalige Opfer des Quälers werden aufgesucht, keiner ist sich sicher.

Shiva (Mariam Afshari) wird angetroffen, wie sie gerade Fotos eines Hochzeitspaares schießt. Auch die Braut gehört zu dem Kreis Betroffener. Sie ist sich sicher, dass nur Hamid (Mohamad Ali Elyasmehr) den Täter eindeutig identifizieren kann. So gesellt auch dieser sich zu der wild in der Gegend rumreisenden Gesellschaft. In einer Kiste dabei, der immer noch lebende Folterer. Hamid überzeugt sich anhand von Narben am Bein von der Identität.

Parallel steht die Gattin des Entführten (Afssaneh Najmabadi) kurz vor der Entbindung ihres zweiten Kindes. Töchterchen Lilufar (Delmaz Najafi) kommt durch einen Anruf an den Vater in Kontakt mit den Entführern, macht diese zu Geburtshelfern.

Es ist ein Lehrstück über Rache und Selbstjustiz, über die Absurditäten, die sich in einer unfreien Gesellschaft entwickeln und damit die Handlungen der Menschen bestimmen, die immer vom Zweifel, der Angst und dem Misstrauen gesteuert sind, einerseits, von der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, andererseits.

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