Sandmännchen Forever – Karriere einer Kultfigur (Das Erste, Freitag, 26. Dezember 18.50 Uhr)

Ein Held für die Ewigkeit

Ein Held für immer. Er hat etwas Heldenhaftes. Das ist die Conclusio dieser Hommage von Sebastian Dehnhardt an ein Fernsehvermächtnis aus der DDR, das offenbar bis heute weiterlebt.

Das Sandmännchen hat Millionen von Kindern die Angst vorm Einschlafen genommen. Es ist ein pfiffiges kleines Bürschchen einerseits, andererseits mit Bart doch etwas alt wirkend, ja es könnte sogar gefährlich sein, wenn man Vergleiche mit Potentaten zieht, die ähnliche Bärte hatten. Es ist kein kitschiger Gartenzwerg; das war bewusst so gewollt.

Und da sind noch die Zipfelmütze und der Umhang, das Mäntelchen, das ihm offenbar magische Kräfte, Superheldenkräfte, verleiht, wie wir sie aus Hollywoodfranchises kennen.

Sandmännchen ist ein kleines, bescheidenes Männchen; es wird in dieser Dokumentation von einer pompös und eitel sich gebenden Sprecherstimme schier erdrückt, die so gar nicht zum Sujet passt. Die Stimme versucht zwar, geheimnisvoll zu tun; sie ist es aber nicht.

Auch die Talking Heads (in manchen Fällen trefflich mit ‚Laberköpfe‘ übersetzt) sind so hergerichtet und inszeniert vor Feenstaubhintergrund, dass sie eher an die einmal erwähnte, geleckte Westfernsehwerbung erinnern, als an bescheiden-smarte Pfiffigkeit. Es ist eine Mischung aus Küchenpsychologen und Fachleuten, die geschmeichelt scheinen von dieser Selbstdarstellungsmöglichkeit. Sie, wie auch der Sprecher, wären wohl eher dem Gartenzwerguniversum zuzuordnen.

Immerhin bringen die Ausschnitte aus den Sandmännchenfilmen die Faszination solcher Puppen, die im Stop-Motion-Verfahren gefilmt werden, genügend zum Ausdruck, gerade auch, weil Sandmännchen nie spricht, das erhöht den Reiz seines Geheimnisses. Das ist sowieso da.

Historiker oder Sprachforscher können letztlich nicht ergründen, woher die Figur kommt und wieso sie es zu einer scheinbar unverwüstlichen Haltbarkeit bringt. Das fing lange vor dem Fernsehen mit dem Radio an und nicht etwa in Deutschland, sondern in den USA. Vorher mit Illustrationen. Der Film gibt mit Archivschnipseln auch einen schönen Eindruck von der trickkünstlerischen Kreativität, die in der DDR möglich war.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

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