Therapie für Wikinger

Identität definiert sich über Vergleich

Aus dem Vergleich mit anderen kann sich Zufriedenheit und Glück oder Unzufriedenheit ergeben.

Im animierten Wikingerreich, das Anders Thomas Jensen (Helden der Wahrscheinlichkeit, Men & Checken) als Klammer um seine Geschichte fügt, ist der Herrscher der Meinung, die Menschen seien nur glücklich, wenn alle gleich seien. Wie einer seiner Untertanen im Axtkampf einen Arm verliert, schafft der König Gerechtigkeit und Gleichheit, indem er allen seinen Untertanen einen Arm abhauen lässt. So sind sie wieder alle glücklich und zufrieden. Die Geschichte geht am Ende weiter, bitter.

Dazwischen nutzt Anders Thomas Jensen die Zeit um anhand des Plots einer simplen Banküberfallsgeschichte seinen Fantasien über Identität und deren Folgen freien Lauf zu lassen mit immer wieder ergötzlich schrulligen Momenten.

Anke (Nikolaj Lie Kass) hat erfolgreich eine Bank überfallen. Eine Tasche voller Geldnoten versteckt er in einem Schließfach. Er wird bereits mit großem Polizeiaufgebote gesucht, da auch ein Mann zu Tode gekommen ist. Den Schlüssel für das Schließfach übergibt er seinem Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) mit dem Auftrag, die Tasche zu holen und an einer bestimmten Stelle im Wald bei ihrem Geburtshaus zu vergraben. Schnitt.

Die 16 Jahre Knast überspringt der Film. Anke kommt wegen guter Führung vorzeitig frei. Jetzt will er das Geld. Hinter diesem ist allerdings auch der Mitwisser Flemming (Nicolas Bro), der freundliche, wie er apostrophiert wird her. So weit, so üblich, so tauglich so brauchbar.

Der Haken an der Geschichte, speziell an der Person des Bruders, ist das Identitätsproblem. Das kann mit Traumata aus der Kindheit zusammenhängen. Charmante Rückblenden werden aus dieser Zeit und von Wikingerträumen des kleinen Manfred erzählen. Er will heute nicht mehr Manfred sein. Man muss ihn jetzt John nennen, John Lennon.

Jon leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung, ist kaum berechenbar, stürzt sich unvermittelt aus dem Auto und leicht handzuhaben ist er sowieso nicht.

Das verkompliziert erheblich die Suche nach dem Geld. Erschwerend kommt hinzu, dass das Elternhaus der beiden Brüder, es lebt auch noch Schwester Freija (Bodil Jorgensen), inzwischen an Margrethe (Sofie Grabol) und Werner (Soren Malling) verkauft ist.

So quartieren sich die beiden Brüder über Airbnb bei denen ein. Hier wiederum stöbert das Drehbuch bei Manfred eine saukomische Airbag-Geschichte auf, skandinavisches Geschichtenstroh der herrlich trockenen Art.

Psychiater Lothar (Lars Brygmann) verleiht der Entwicklung der Dinge weitere Dynamik, indem er behauptet, man müsse bei Identitätsstörungen die Realität der Vorstellung des Patienten anpassen. Es geht also darum, ein Beatles-Revival zu schaffen, um John eine glaubwürdige Umwelt zu verschaffen, in der er letztlich das Geldversteck erinnern und preisgeben würde, so die Hoffnung von Anker. Zufälligerweise kennt der Psychiater weitere Fälle von Beatles-Identitäten … Flemming, der freundliche, lässt nicht lange auf sich warten.

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