Harmonischer Abend
Das ist das, was sich Wanda (Caroline Peters) zu Weihnachten wünscht. Souveränes Storytelling geht davon aus, dass sich genau das Gegenteil einstellen wird. Das ist auch nicht so schwierig bei der verzwickten verwandtschaftlichen Konstellation, wer getrennt ist und doch wieder Sex miteinander hat, wer in welcher neuen Beziehung steht. Die Hauptfrage ist: wer spielt den Nikolaus bei all den Absagen.
Wichtigste Dialgothemen sind moderne Lebensbewältigungsstrategien, zum Teil von gestern (so schnell geht das, gestern meint, vor ein, zwei Jahren, das zeigt aber auch, wie schnell so modische Strömungen vorbeiziehen; ach so, es ist ein Film von 2023, erstaunlich, wie viel Staub schnelllebige Themen in so kurzer Zeit ansetzen) anhand von Begriffen wie:
Bio, vegan, öko-zertifiziert, genderfluid, weird, Lockdown, veganer Superkleber für Klimaaktivisten, Corona-Tests, Social Media, nachhaltiges Weihnachten, Spanferkel kontra kein Fleisch, Klimaerwärmung, sexuelle Aneignung, Yoga, Pronomenrunde, Transition zum Transmann, ungeimpftes Sperma, Binärgeschlechtlichkeit, fake-outen, Aufmerksamkeitsproblem, fake-vegan, luctosefrei, rassistische Geschenke, woke Polizei, Kopfmassagestab, Mitte stärken, Pepperoni-Socken, random, no shame.
Diese werden mit sichtlichem Spaß an der Freud und an der Trendsauce und dem Trendsalat – und nicht immer gut verständlich – vorgetragen von Caroline Peters, Simon Schwarz, Chantal Zitzenbacher, Marcel Mohab, Hilde Dalik, Pie Hierzegger, Michael Ostrowski als Mitglieder dieser Patchwork-Family.
Es gibt eine bis mehrere Nikolauskomplikationen. Das Covid-Masken- und das Impfthema werden breitgetreten inklusive dem Thema des Spermas ungeimpfter Männer. Michael Ostrowski hält ein paar einfache Zaubereien bereit. Als soziales Thema spielt das Zuschütten von Gräben eine Rolle. Und auch der Bitcoin wird durch den Dialog-Fleischwolf gedreht. Ein Aufruf zur Freiheit der Frauen darf nicht fehlen in einem Film von einer Frau, von Eva Spreitzhofer, die selber auch einen Auftritt bei einer Demo hat; dafür rechnen die Öffentlich-Rechtlichen bestimmt noch ein Zusatzgeld ab.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.