Individueller Ostküsten-Feminismus
Ostküsten-Akademikerinnen, die an der Uni von Fairport ihre Diss schreiben, sind im Zentrum dieses Filmes von Eva Victor, die auch die Hauptrolle der Agnes spielt. Der Name wird von ihrem Nachbarn Gavin (Lucas Hedges) erklärt.
Eine Ostküsten-Amerikanerin und Independent-Filmerin lässt sich nicht auf die Rolle des Opferlammes beschränken. Sie erlebt zwar von ihrem Mentor Preston Decker (Louis Cancelmi) Dinge, die eine heftige Me-Too-Geschichte mit der entsprchenden Debatte auslösen könnte. Und die Männer sind alle bös.
Ansatzweise hört es sich so an, wie ihre dicke Freundin und Ex-Kommilitonin Lydie (Naomi Ackie), die inzwischen in New York mit Fran (E.R. Fightmaster) glücklich ist, sie einmal besucht. Da witzeln sie über die Männer und „das“, da kann jeder sich denken was er oder sie meint, es ist schön eindeutig. Agnes ist in der Provinz geblieben und solo. Sie hat Aussichten auf eine Juniorprofessur.
Der Film erzählt mit Zwischentiteln und in einem Zeitraum von wenigen Jahren, von kurz vor Fertigstellung der Diss und dann den ersten Berufsjahren von Agnes in der akademischen Lehre als Literturdozentin. Wie Lydie sie besucht, hat sie eine freudige Information.
Der Me-Too-Vorfall hat administrativ und juristisch keine weiteren Folgen, denn Agnes erstattet keine Anzeige. Auch wie Eva Victor ihn schildert, bleibt viel dem Zuschauer und seiner Fantasie überlassen. Der Vorfall spielt lediglich in dem Kapitel eine Rolle, in dem Agnes in eine Geschworenen-Jury berufen werden soll. Die akademische Konkurrenzsituation an so einer Institution wird provokativ geschildert durch die Ambition von Mitstudentin Natasha (Kelly McCormack), die scharf auf die inzwischen vakant gewordene Position von Preston Decker ist.
Agnes lässt sich durch die persönliche Geschichte nicht aus der akademischen Studierruhe bringen; sie liefert ihre Diss zur Zufriedenheit der Uni ab. Mit Nachbar Gavin wird ein Mann ins Spiel gebracht, der so gar nicht ins Me-Too-Schema passt. Der ist respektvoll, etwas naiv, der träumt von Kindern.
Das Kapitel mit der Sache mit Preston wird überschrieben als „The year with the bad things“; aber die Welt ist in dieser Ostküsten-Sicht nicht nur schwarz oder weiß, später folgt „Das Jahr mit den guten Sandwiches“.
Weitere, neue Filme, die in Ostküsten-Akademikerkreisen spielen: After the Hunt und The Change.