Schnappschussmarathon
In 80 Tagen bis zur Saisoneröffnungpremiere der Scala, ein Lokalereignis in Mailand, an dem die ganze Stadt per Viedoübertragung, selbst im Knast, teilnimmt.
Anissa Bonnefont durchmisst diesen Zeitraum als rasende Reporterin in Fünf- bis Zehntagesstiefeln. Sie hält die Kamera überall drauf. Sie schaut bei Proben vorbei, bei Bühnenbildbesprechungen, beim Tanzcasting, in der Schneiderei, in den Werkstätten, bei der Korrepetion, bei Chor und Orchester.
Sie ist dem Regisseur und dem Dirigenten, den Gewerken und den Solisten auf den Fersen. Sie ist keine Analytikerin, keine Hermeneutkerin, die verstehen will, keine, die ein filmisches Organigramm eins solch riesigen Kulturbetriebes herstellen will, wie Frederick Wiseman es mit der Pariser Oper vorgemacht hat.
Die Dokumentaristin interessiert sich nicht mal besonders für das Stück, sie versucht gar nicht erst, ein Stückverständnis herzustellen. Sie legt in ihrer rasenden Schnappschussreise durch den arbeitenden Betrieb ein Tempo vor, dass am Schluss kaum mehr Raum für Premierenspannung, für Höhepunktthrill bleibt. Sie dürfte dabei immerhin für Opernfans einen abwechslungsreichen Nähkästchenbericht bereitgestellt haben.
So viel bekommt man immerhin mit, es geht um Krieg und um eine Drehbühne und es geht um verschiedene Kriege und verschiedene Jahreszeiten. Es soll aber auch kein Krieg als individuell identifiziert werden können. Dass Frieden wichtig sei und sehnsüchtig erwartet wird, das ist hochaktuell. Hochkulturfabrikation im Schnelldurchlauf.