Herz aus Eis

Ephemeres Verlangen

Wie ein Kristall Bilder, hier sind es vornehmlich Berg- und Schneelandschaften, brechen, verschwimmen und ineinanderfließen lässt, das zu sehen könnte man stundenlang meditativ vor der Leinwand sitzen, sich versenken in angehauchte Traumwelten, Sehnsuchtswelten, besonders wenn dazu noch der ausgeklügelte, sich direkt am Epehmeren orientierende Sound der Bodenlosigkeit die Ohren umfängt.

Das Bodenlose und das Ephemere, das Zwielicht, das Halbdunkel und der Übergangszustand sind der Rahmen, die Rahmenlosigkeit, für das experimentelle Herumsuchen von Lucile Hadzihalilovic nach einer Liebe, es mag entgangene Mutterliebe oder nie erlebte lesbische Liebe sein.

Die konkrete Figur, um die dieser Rausch des Unscharf aufgebauscht wird, ist die Schneekönigin oder die Eiskönigin. Zuerst kommt sie als Märchen vor. Jeanne (Clara Pacini) erzählt sie im Kinderheim ‚Bon Soeurs‘ einem kleinen Mädchen.

Vielleicht ist es diese Geschichte, die in Jeanne die Suche nach der verlorenen oder nie gehabten oder einer künftigen Liebe auslöst.

Alles diffus in der Orientierung, sie wandelt in Zwischenbereichen, in Grausphären, in der Nacht gar. Im Niemandsland stößt sie auf eine Eisbahn vor der Fassade eines Monumentalbaus, wie die Nazis ihn sich nur hätten erträumen können. Dort sieht sie Bianca (Valentina Vezzoso) ihre Runden drehen. Sie kommt nicht los von ihr mit den Augen, mit dem Sehnen.

Der Kontaktversuch bleibt fruchtlos. Es treibt Jeanne weiter durch die Nacht. Sie wird sich ab jetzt Bianca nennen. Die Räume, die sie durchstreift, sind eine Mischung aus Real- und Ideenräumen auf der Suche nach der inneren Koordinate.

Es mag Magie sein, Instinkt, Fügung, Unbeirrbarkeit, sie landet in einem Filmstudio. Auch das für den Zuschauer nicht platt eingeführt, sondern sachte, geheimnisvoll. Durch schmale Öffnungen bekommt sie Einblick. Es ist eine Produktion der Schneekönigin. Hier wird zu sehen sein, wie die Bilderillusionsindustrie Schneelandschaften und Schnee künstlich herstellt.

Cristina von der Berg (Marion Cottilard) ist der Star, die Schneekönigin. Zwischen diesen beiden Frauen wird das Märchen in fiebriger Atmosphäre in all seiner Grausamkeit wahr werden.

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