Kriegerisch wie irgendwas
Die Zeiten ändern sich, sie werden ungemütlicher, brutaler, kriegerischer. Das schlägt sich auch im Kino nieder.
Der prägende Eindruck vom letzten Avatar-Film, jetzt auf Distanz gesehen, waren die Unterwasserwesen, ihre schwebende Leichtigkeit.
Von diesem dritten Avatar-Film von James Cameron, der wiederum mit Rick Jaffa und Amanda Silver das Drehbuch geschrieben hat, dürften mehr die brutalen kriegerischen Auseinandersetzungen bleiben, Hight-Tech-Macht gegen Wale und Barfußkrieger, wie die Taliban gegen die Nato, die sich dabei eine blutige Nase geholt hat.
Cameron mutet dem Zuschauer einiges zu. Über drei Stunden mit schwerer 3D-Brille auf der Nase und einer Volle-Pulle-Beschallung, dass einem das menschliche Stimmengewirr anschließend in der Fußgängerzone direkt gespenstisch vorkommt.
Irgendwann wird es im Film ein Too-Much an Lendenschurzromantik und Ethnomummenschanz, so schön und geschmackvoll diese schlanken Schwanzwesen mit den langen Haaren auch designt sind. Der Gag des Verbindens über elektrisierenden Haarkontakt wird ebenso überreizt.
Die Bildwelten sind allgemein überwältigend, mit der Reizüberflutung können sie anstrengend werden.
Der Grund für die kriegerischen Auseinandersetzungen ist simpel, es sind die Bodenschätze der Schwanzwesenwelt. Leichtigkeit und sportlicher Spaß ergibt sich, wenn diese Wesen mit den Drachvögeln oder Fischen durch Wind und Wasser preschen, das ist gesteigertes Rummelvergnügen.
Die Plotelemente sind bewährt. Im Zentrum eine Familie. Hier wuselt schlechtes Gewissen wegen eines zu Tode gekommen Kindes. Der übrig gebliebene Junge zeigt Ansätze von Aufsässigkeit und Eigenwillen, er möchte sich beweisen. In die Familie integriert ist der schöne junge Menschenmann Jesper; um den wird es später einen Atemstockmoment geben. Der muss eine Maske tragen und wird ab und an von einer Art asthmatischer oder epileptischer Anfällen heimgesucht. Unter den Schwanzwesen gibt es eine gute und eine böse Fraktion. Bei allen Parteien finden sich Überläufer.
Ausgetüfteltes, futuristisch bestechendes Hight-Tech-Design kennzeichnet die Machtzentrale der Menschen. Die Generalin hat ihren ersten Auftritt mit einem roboterhaften Exoskelett. Souveräne Action bringt in dieser Zentrale der Ausbruchsversuch der Gefangenen, da hat sich Cameron einiges einfallen lassen. Ebenso schwindelerregend ist die finale Schlacht. Die ist dann aber nicht die finale Schlacht, denn ein Kind muss auch noch zur Welt gebracht werden … für allfällige Fortsetzungen; the Show und die Geldmaschinerie must go on.
Anfangs denkt man, das könnte einer der besonderen Selling Points der Reihe sein: dieser Zivilisationseskapismus gepaart mit einer fantasievollen Ausstattungsorgie, die zwar das Kino nicht neu erfindet, aber sich doch deutlich Mühe gibt in jedem Detail nichts alltäglich erscheinen zu lassen. Aber auch das kann schnell too much werden, so wie verbissener Ernst.