Stille Beobachter

Eine Lebensweise, die kaum zur Beschleunigung der Klimaerwärmung beitragen dürfte,

Entschleunigung sowieso.

Flüche, Tote, Esel, Katzen, Verstorbene in Eseln und Katzen, Vampire, das Böse, der Hund, der die Hühner frisst, die Armut, die Gesundheit, das sind die Themen, die die alten Menschen, überwiegend Frauen, in dem Dorf in den Bergen irgendwo in Bulgarien umtreiben.

Mit Guschko, dem Esel, sammelt eine Alte Holz an den steilen, bewaldeten Hängen. Autos, Maschinen, Elektrizität kommen nicht vor – Telefon-oder Stromleitungen ein-, zweimal verschwommen, ein ander Mal ein paar Straßenlaternen von weitem – in dieser respektvoll verhaltenen Dokumentation von Eliza Petkova, und schon gar nicht gibt es Handys, Smartphones oder Internet – und doch ist, was sich die Alten erzählen, was sie an Zaubereien machen, erstaunlich nahe an dem, was Social Media im Internet an Shitstorms und Fakenews allzugerne verbreiten.

Die Regisseurin lässt sich lieber verzaubern von Details, von Mikrokosmen, von Ausschnitten, von Natur- und Katzenidylle, vom Ruinösen und dem Einfachen, als dass sie in die Falle des pompösen Auftritts so mancher Dokumentaristen läuft. Sie selbst scheint eine stille Beobachterin zu sein; wobei der Titel auf die häufigen Blicke auf die Augen von Tieren aus der Nähe gemeint sein dürfte. Das ist ein ein anderes Schauen als dasjenige der Krähen in Krähen, Nature is Watching Us.

Die Regisseurin stellt die Kamera diskret ins Off, in den Hintergrund, auf Beinhöhe, damit die Menschen sich ungeniert unterhalten und so ganz uneitel Einblick in das karge Leben am Rande der Zivilisation und der Moderne geben.

Es ist ein impressionistischer Film, zum Meditieren, zum Schauen geeignet, dazu, sich selbst in Träumereien im Vergleich zu unseren großstädtischen Hightech-Welten zu begeben.

Begleitet werden die Bilder von meditativ-künstlerischer Musik (Improvisation vermutlich).

Der Film sei inspiriert von wahren Begebenheiten aus dem Dorf Pirin. Was ein Hinweis darauf ist, dass die Gespräche, so diskret sie aufgenommen werden, inszeniert sind, aber eben mit dokumentarischem Touch.

Einmal kommt dann doch ein Auto vor, ein starker Geländewagen mit Anhänger. Hier hat die Zivilisation ein Einsehen und holt den alten, abgeackerten Guschko ab, bringt ihn auf eine Gnadenweide.

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