Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Schön satirisch gedacht

Der Geist von Wolfgang Becker (Good Bye Lenin), der noch vor Fertigstellung des Filmes gestorben ist, durchweht diesen wunderbar sanft satirisch gedachten Film.

Weitere Credits bei IMDb sind neben Wolfang Becker als Autor und Regisseur: Maxim Leo und Constantin Liebe fürs Drehbuch und Achim von Borries für die Regie.

Es ist eine Mediensatire gewürzt mit einem Schuss DDR-Erinnerung. Anlass ist das Jubiläum des 30-jährigen Mauerfalls. Die Zeitschrift „fakt“ – es könnte sich um eine Wochenzeitschrift wie „Der Spiegel“ handeln – möchte eine frische, noch nicht verbrauchte Geschichte aus der DDR bringen. Sie stößt auf Micha Hartung (Charly Hübner).

Wegen Hartung scheint 1984 eine ungewöhnliche Flucht von über 100 Personen aus der DDR gelungen zu sein. Eine S-Bahn voller DDR-Bürger wurde versehentlich – wegen einer fehlenden Schraube – aus dem Ostberliner Schienennetz in das Westnetz gelenkt.

Zuständig für diese Weichenstellung war Micha Hartung. Der betreibt 30 Jahre später eine Videothek in Berlin. Groß prangt Louis de Funès auf einem Plakat und weitere Klassiker aus dem reichen Filmjahr 1972. Ihn macht der Journalist Alex (Leon Ullrich) ausfindig. Er sucht ihn auf. Micha Hartung kann den Vorfall bestätigen und dass er deswegen auch von der Stasi verhaftet worden sei.

Aus dieser dünnen Info macht die Zeitschrift einen Riesenartikel, Medienflunkerei sondergleichen. Micha wird auf einen Schlag berühmt und bekommt Freude am Erfinden von Geschichten. Er erhält eine Kurzschulung in Medienverhalten und über den Stellenwert von Wahrheit.

Der Hype schaukelt sich hoch bis zur Einladung zum persönlichen Essen beim Bundespräsidenten und er wird vorgesehen als Festredner im Bundestag. Das allerdings ärgert einen langjährigen DDR-Aufarbeiter, der mit seiner eigenen Opfer- und Widerstandsrolle beschäftigt ist und der zuerst vom Bundespräsidenten eingeladen worden war.

Ansätze von Dramatik schleichen sich in den Film ein, wie der Aufarbeitungsprofi von der Bundestagsrede wieder ausgeladen wird zugunsten des neuen Hits Hartung. Er reaktiviert alte Stasiseilschaften reaktiviert.

Es gibt eine Frauengeschichte. Eine Frau, die mit dem Zug damals ausgereist ist, vergeht schier vor Danbarkeit und möchte ihrem – unfreiwilligen – Retter von damals danken. Es ist Paula (Christine Paul), die heute Staatsanwältin ist.

Es erscheint ein Buch. Eine TV-Serie ist geplant. Daniel Brühl gibt großartig den Schauspieler, der Hartung spielen soll. Bei der Rolle des Bundespräsidenten hätten Regie, Drehbuch und Darstellung präziser hinschauen sollen; der hat nicht allzu viel mit dem noch lebenden und amtierenden Vorbild zu tun.

Insgesamt kommt der Film bei aller satirischen Grundidee recht nett, altväterlich und betulich rüber. Vielleicht wären dieses Tempo und Temperament vor 30 Jahren noch eingefahren. Köstlich, aber eben auch sehr gemütlich, ist die Szene der Hartung überwachenden Lippenleser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert