Mut im Dritten Reich
Die zentrale Aktion in diesem Film von Matt Whitaker, der mit Ethan Vincent auch das Drehbuch „nach wahren Begebenheiten“ geschrieben ist, geht von einem 17-jährigen Hamburger aus.
Es ist 1941. Helmut Hübener (Ewan Horrocks) kann bei einer Verwaltungsstelle der Nazis arbeiten. Er hat dort Zugang zu Archiven, auch solchen mit verbotener Literatur. Anfangs ist er ein angepasster Nazijunge, auch um den Job zu bekommen. Dann erlebt er, wie sein Freund Salomon (Nye Occomore) verhaftet und abgeführt wird, weil dessen Mutter Jüdin ist. Salomon selbst ist Mormone. Das mag mit dem Produktionslabel „Angels Guild“ zusammenhängen.
Da Helmut mit seinen Freunden Karl-Heinz (Ferdinand MaKay) und Rudi (Daf Thomas) ausländische Radiosender hört und Zugang zu internationaler Presse hat, gehen ihm die Augen über die Wahrheit des Dritten Reiches auf. Er fängt selbständig an, Flugblätter zu schreiben mit seiner Schreibmaschine und sie nächtens zu verteilen in Briefkästen und unter Windschutzscheiben. Bald machen auch seine zwei Freund mit.
Auf nichts reagieren Diktaturen allergischer als auf Kritik. Es dauert nicht lange, bis Helmut auffliegt. Die Underground-Aktion mit den Flugblättern, die schildert der Film spannend. Es ist allerdings eine Filmsprache, wie wir sie zur Genüge kennen aus dem Kosmos der Naziaufarbeitungsfilme und wie sie doch sehr museal wirkt. Hinzu kommt die sterile, deutsche Nachsynchronisation.
Die Geschichte, wie es nach der Verhaftung weitergeht bis zum Gerichtsprozess und zum Urteil, die dehnt sich und ist mit enormen Message-Pathos aufgeladen. Insofern dürfte der Film, erst recht mit der direkten Aufforderung an die Zuschauer im Abspann durch den Regisseur persönlich, im breiten Feld der heutigen Kinowelt relativ einsam dastehen. Innerhalb der Filme des Angel-Guild-Labels wiederum gehört er zu der erträglicheren Sorte.