Eternity

Post Mortem

Das ist nach der bayerischen Zweigstelle in kurzer Zeit schon der zweite Film, der in der Ewigkeit spielt mit Menschen, die gestorben sind. Auch er lässt reflektieren, was denn das für üble Zeiten sein müssen, in denen die Weltpolitik von Massenmördern massiv mitbestimmt wird, ob die nicht an jene des Zweiten Weltkrieges erinnern und der ihm in den 50er Jahren folgenden geistigen Käseglocke. So wirkt dieser Film von David Freyne, der mit Patrick Cunnane auch das Drehbuch geschrieben hat, anfänglich.

Furios fängt der Film im Stil amerikanischen Kommerzkinos an. Larry (Barry Primus) und seine Gattin Joan (Betty Buckley), sie sind seit 65 Jahren verheiratet, befinden sich keifend in ihrem Amischlitten auf dem Wege zur Gender Reveal Party eines ihrer Kinder. Das Geschlecht des erwarteten Babys soll bekanntgegeben werden. Noch ist das nicht passiert, da bricht Larry zusammen. Er – und mit ihm das geneigte Kinopublikum – findet sich im Jenseits wieder.

Das erinnert von seinem Interieur her stark an die 50er Jahre. Allerdings findet Larry sich nicht als alter, sondern als junger Mann (Miles Teller) wieder. Das erklärt ihm seine Jenseitskoordinatorin Anna (Da’Vine Joy Randolph), dass man hier in der Variante ankomme, in der man im Leben glücklich gewesen sei.

Die Eingangshalle dieses Jenseits ist wie ein Ameisenhaufen, ein Bahnhof, von wo aus Züge zu verschiedenen Destinationen abfahren. Die Neuankömmlinge bekommen etwas Zeit, sich definitiv für ein Jenseits zu entscheiden, wo sie dann wirklich immer zu bleiben haben.

Das erinnert von seiner Konstruktion her noch deutlich an die Zweigstelle, ist aber gigantisch, aufwändiger und komplexer gestaltet. Mit der Ankunft von Joan, ebenfalls als junge Frau (Elizabeth Olsen) ändert sich das. Larry entdeckt sie bei ihrer ersten Rolltreppenfahrt.

Definitiv zum Paarungsthema wendet sich der Film ab jetzt und gewinnt dadurch an Charme, wie Luke (Callum Turner) die beiden entdeckt. Er ist der erste Ehemann von Joan, der im Koreakrieg zu Tode gekommen ist. Ab hier ventiliert er, könnte von Rohmer angeregt sein, die uralte Frage, welcher Deckel zu welchem Topf passt.

Dazu gibt es Ausflüge ans Meer, in die Berge, es gibt das Museum mit seinem grummeligen Wärter Fenwick (Ryan Beil). Hier können sie Szenen aus ihren früheren Leben anschauen als Entscheidungshilfen. Das Protagonistenquintett wird komplementiert durch den köstlichen Funktionär Ryan (John Early). Der ist der Jenseitskoordinator von Joan.

Die Rivalität zwischen Larry und Luke kommt voll zum Tragen. Zwischen der Dramatik gibt es Platz für Gedanken zu verschiedenen Modellen der Paarung oder des Stattdessen, recht up-to-date.

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