Miss Alaska
heißt die Kantine für Bergbauarbeiter in der Einöde im Norden Chiles. Diese wird von Boa (Paula Dinamarca) betrieben. Star in der Travestie-Show ist Flamingo (Matías Catalán) mit dem geheimnisvollen Blick, wie der Titel dieses Filmes von Diego Céspedes verrät.
Flamingo kümmert sich wie eine Mutter um die etwa 12-jährige Lidia (Tamara Cortes). Und auch Boa sieht Flamingo als ihre Tochter an. Sie hat ihre Travestiekünstler mit Tiernamen belegt, warum genau sie sich Boa nennt, verrät sie Lidia nicht. Bei Flamingo hat es etwas mit seiner Statur zu tun und den dünnen Beinen.
Der Film fängt als sattes Sittengemälde des Lebens in der Kantine an. Pralles Leben. Das häufigste Wort ist in der englischen Untertitelung „Fag“. Jungs verhauen Lidia und die Travestitendamen rächen sich. Lustig und deftig.
Ein Drama entwickelt sich zwischen dem Bergarbeiter Youani (Luis Dubó) und Flamingo. Er ist unsterblich in sie verliebt, ja er stört sogar seine Show; Melo as Melo can.
Der Film spielt 1982. Es ist immer wieder von einer Seuche die Rede. Einmal wird auch erkärt, wie sie übertragen wird.
Momentweise denkt man an Filme von Fassbinder, wenn das Liebesthema sich in den Vordergrund drängt, dass Liebe schwierig oder unmöglich sei. Es gibt Ansätze zur Liebe. Zarte Annäherung von Lidia zu einem Jungen ihres Alters, der nicht so blöd ist wie die anderen. Und dann auch zwischen Boa und einem Anführer der Bergarbeiter, die einmal den Aufstand gegen Miss Alaska proben. Vom Talent zur Milieustudie her erinnert der Film auch an Axel Ranischs frühe Filme wie „Dicke Mädchen“ oder Ich fühle mich Disco.