Männer im Krieg
Krieg ist ganz was Furchtbares und zur traurigen Alltäglichkeit in den News geworden wie in der Ukraine oder bis vor kurzem mit den Gräueln in Gaza, zu schweigen von Kriegsschauplätzen wie im Sudan, die uns vollkommen am A. vorbeigehen.
Der Krieg hinterlässt auf der zivilen Seite Frauen ohne Männer, Jungs ohne Väter, Witwen und Waisen. Die Männer kehren, wenn überhaupt, verändert aus dem Krieg zurück, verstört, mit deformierter Persönlichkeit; sie haben Dinge erlebt, über die sie nicht reden können oder wie in dem Film Das Ungesagte erst acht Jahrzehnte nach Kriegsende.
Odysseus (Ralph Fiennes) kehrt nach Jahren aus dem Krieg zurück nach Ithaka, genauer, er wird dort angeschwemmt, nachdem Fischer ihn wieder ins Meer geworfen hatten. Er wird freundlich aufgenommen von Eumaeus (Claudio Santamaria).
Die Insel ist in seiner Abwesenheit verwahrlost, geplündert, kein Ort zum Leben mehr. Auf dem Schloss umwerben allerlei Freier die zurückgebliebene Penelope (Juliett Binoche). Sie glaubt fest daran, dass ihr Odysseus noch lebt und zurückkehren wird. Um die Freier hinzuhalten, webt sie an einem Grabtuch für den alten König.
Penelope verspricht den Freiern, sobald sie mit dem Tuch fertig sei, werde sie sich für einen entscheiden. Nachts trennt sie den Fortschritt des Tages heimlich wieder auf. So kann sie die Entscheidung unendlich hinausschieben.
Sohn Telemachus (Charlie Plummer) ist eine typisch vaterlose Figur, irritiert, nicht fähig, die Herrschaft zu übernehmen und für Ordnung zu sorgen. Er will lieber herausfinden, ob sein Vater, den er nie kennengelernt hat, noch lebt.
Der übelste der Freier und Hofschranzen ist Antonius (Marwan Kenzari). Der drängt Penelope auf eine Entscheidung; das wird dramaturgisch der Auslöser für die Kulmination der Erzählung nach einer Hetzjagd.
Odysseus ist zurück und keiner erkennt ihn. Der erste, der darauf hindeutet, ist der Hund Argos. Als Bettler kehrt Odysseus ins Schloss zurück, erlebt die hochnäsige Behandlung durch die Freier; die fordern ihn zum Kampf heraus.
Uberto Pasolini (Nowhere Special), der mit John Collee und Edward Bond auch das Drehuch geschrieben hat, erzählt diese Geschichte in einem umwerfend schönen, romantischen Naturalismus ohne das Pathos, was die Klassik in der Kunst so gerne zum Quellen bringt.
Mit der Auswahl und Inszenierung der überwiegend männlichen Darsteller weht ein Hauch griechischer Homoerotik durch den Film, nie explizit.
Schwierig ist tatsächlich die Rolle des Odysseus. Ralph Fiennes sieht sich hier einer deutlich schwierigeren Aufgabe gegenüber als zuletzt in seiner brillanten Performance in Konklave. Hier wird einerseits gefordert, dass der Mann durch den Krieg und die jahrelange Irrfahrt verändert und am Ende seiner Kräfte ist, vielleicht auch desillusioniert?
Andererseits darf wegen der Logik der Erzählung der alte, listige Odysseus noch nicht ganz abgestorben sein. Der blitzt allerdings kaum auf in seiner Darstellung. Fiennes hat sich für das schwere Pathos entschieden, was ihn bildlich näher zur christlichen Ikonographie der Jünger und von Jesus verweist, einer Leidensfigur. Es reicht immerhin aus, um die gravierende Entfremdung zur Gattin und die Fremdheit dem eigenen Sohn gegenüber beeindruckend auszudrücken.