1992, am Höhepunkt der AIDS-Epidemie, dreht Amos Guttman, selbst infiziert, diesen mit sehnsüchtig-lyrischem Auge betrachteten Film, der jetzt sehenswert restauriert wurde und so als DVD und VoD zugänglich ist.
Eine schöne Kinoblüte aus Israel. Warmherzig, romantisch sind die Farben gehalten, die Innenräume. Die Dialoge teilweise so spröde wie die von Fassbinder aber noch stäker von erotischer Sehnsucht durchdrungen.
Der Film ist das Porträt des jungen Mannes Jonathan (Gal Hoyberger). Der ist extra wegen Micky (Aki Avni) vom Land nach Tel Aviv gezogen ist. Da war Micky längst mit anderen Männern zugange. Jonathan arbeitet in einer Kita. In seiner Wohnung hat er Hanf angepflanzt.
Der Film schildert dieses Milieu, es gibt auch eine Rumhäng-Mitbewohnerin, boehmienhaft. Über Jonathan wohnt eine Schneiderin mit ihrer Mutter zusammen. Dieser gibt sie Illustrierte mit Berichten über Romy Schneider zu lesen. Dort gehen auch andere Frauen, Kundinnen, ein und aus.
Der Ton unter diesen Frauen ist eher hart. Sohn Thomas (Sharon Alexander) von der Schneiderin ist aus New York zu Besuch. Der wollte Musik studieren; hat abgebrochen, eine Weile lang ein Geschäft oder eine Kneipe geführt. Auch das ist vorbei.
Thomas hustet oft, tastet die Lymphknoten am Hals ab. Er wirft Medikamente ein. Jonathan sucht den Kontakt zu ihm. Dieser zeigt sich nicht uninteressiert, möchte aber im Gegenzug an Stoff kommen, nicht nur Hasch. Die Annäherung geht unkompliziert.
Der Film schaut sich diese jungen Männer genauer an, ihren Umgang. Er befragt sie auf ihre unstillbaren Sehnsüchte, Enttäuschungen, ihre Liebesvorstellungen, die vielleicht nebulös, wenig konkret sind und die, kaum mit der Realität konfrontiert, sich als illusorisch erweisen. Auf der anderen Seite die Einsamkeit.
Die Bilder des Filmes sind von verhalten erotisch bis in manchen Momenten schier barock lustvoll. Es schwingt die Versuchung und die Sehnsucht nach Liebe ständig mit. Der Titel des Filmes entspricht jenem eines Albums von Aretha Franklin, einem Konzertmitschnitt, den es erst nach ihrem Tod auch als Film gegeben hat: Aretha Franklin – Amazing Grace.