Sisu: Road to Revenger

Finnisch-karelisch-sibirischer Giallo

Gelb waren die Einbände der Bücher, die als Vorlagen für italienisches Genre-Kino von den 60ern bis in die 80er dienten. Gelb heißt auf Italienisch ‚giallo‘.

Die gelben Kapiteltitel dieses Filmes von Jalmari Helander erinnern mich an die Gialli. Es ist Genre-Kino pur. Eine einfache Rachegeschichte, einfach und geradlinig erzählt mit faszinierenden Protagonisten, die einen unzimperlichen Umgang miteinander pflegen. Der Film erinnert von seiner Struktur her an Duell von Steven Spielberg.

Allen voran Jorma Tommila als Aatami, zu Deutsch: die Legende. Wie er ruhig mit seinen großen Augen schaut, listig, alles im Blick habend, fokussiert; man sieht ihnen förmlich an, wie ein ständiger Prozess der Einschätzung der Lage abläuft bei gleichzeitiger Evaluierung seiner Reaktionsmöglichkeiten. Da kommt einiges auf ihn zu.

Er gehört zu jener finnischen Minderheit, die 1946 aus Russland nach Finnland umgesiedelt worden ist und die ihre Heimat nie wiedersehen werden, wie der Text im Anspann sagt.

Aatami macht sich mit einem LKW auf nach Russland. Hinein kommt er ungeschoren. Er sucht sein altes Haus auf. Er demontiert Balken für Balken und begibt sich auf den Rückweg nach Finnland.

Die Russen haben das mitbekommen. Sie wollen ihn lebend. Sie setzen ihren Gefangenen Yegor (Jack Doolan) auf ihn an. Wenn er ihnen die Legende liefert, ist er ein freier Mann und wird fürstlich entlohnt.

Das ist der Reiz des Genres oder des Giallos, dass es Vergnügen bereitet, zuzuschauen, wie die Filmemacher so eine simple Geschichte mit Spaß, Schritt für Schritt ausgetüftelt erzählen, wobei man mit der Erwartung, dass es ziemlich blutig ausgehen wird, nicht falsch liegt. Sie verstehen zu dosieren.

Erst lassen sie die Legende ein Stück mit dem mit den Hausbalken voll bepackten, lottrigen LKW durch die herrlich leere Landschaft fahren. Sie geben auch an, dass er noch 120 Kilometer in diesem für ihn gefährlichen Gebiet vor sich hat. Davon einige im Wald, aber auch genügend über freies Gelände, wo es keine Deckung und kein Verstecken für einen LKW gibt.

Die Verfolger lassen nicht lange auf sich warten. Mit seiner stoischen Art ist die Legende lange erfolgreich im Abschütteln, einen nach dem anderen.

Eine gut erzählte Geschichte braucht auf der Endgeraden nochmal einen kräftigen Kipppunkt.

Jalmari Helander ist um Ideen und deren Umsetzung nicht verlegen, um eineinhalb spannende Kinostunden auf die Leinwand zu bringen. Bei einer der härtesten Auseinandersetzungen der Legende, bereits arg geschunden, gegen einen ganzen Bahnwaggon mit Soldaten, muss man direkt an die fast tänzerisch choreographierten Massenschießereien eines John Woo denken. Sie schenken sich nichts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert