Eddington

Die trüben Eingeweide Amerikas

In diesen stochert Ari Aster (Midsommar, Hereditary, Beau Is Afraid) lustvoll und gekonnt.

Es ist eine Welt, in der es keine verbindliche, demokratische Ordnung mehr gibt, in der sich keiner mehr an eine solche hält. Es ist eine Welt ohne politische oder moralische Autoritäten, in der jeder sein eigenes Ding macht oder sich nur so weit an Regeln hält, als ihm nützlich scheint.

Es ist die Zeit Ende Mai 2020. Covid ist gerade aufgekommen und damit die Regeln zum Tragen von Masken und zum Einhalten von Mindestabständen. In Eddington in New Mexiko schert sich Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) einen Deut um die Maskenvorschrift. Er sieht sich als sein eigener Herr. Von der Polizei einer anderen County lässt er sich schon gar nichts sagen, grad gar nicht vom Officer Butterfly Jimenez (William Belleau) vom angrenzenden Pueblo.

Ein Großinvestor will in Eddington eine Megacomputerfabrik bauen für KI, die enorm viel Energie verbraucht, angepriesen mit dem üblichen Investorengeschwätz von Wohlstand für alle und Prosperität für die Gegend.

Ein Befürworter ist Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal) und da gerade Wahlen anstehen, wirbt er damit. Das ruft Joe Cross auf den Plan, der das verhindern will und gegen den OB antritt. Sein Polizeibüro mit seinen zwei Mitarbeitern funktioniert er schamlos um zur Wahlzentrale.

Cross ist verheiratet mit Louise (Emma Stone) und wohnt mit ihr zusammen bei deren Mutter (Deirdre O‘ Connell) in einem ausladenden Landhaus, der kakteenbewachsenen Wüste angepasst und etwas außerhalb gelegen.

Ari Aster nimmt sich anfänglich Zeit, den Umgang mit Covid und den Masken zu schildern, die Renitenten und die Verfechter der Korrektheit, dass man schon befürchtet, in einen Themenfilm hineingeraten zu sein. Dann nimmt aufgrund verschiedener Vorfälle und dank rege genutzter Internet- und Chatkommunikation der schmutzige Wahlkampf Fahrt auf.

Verstärkend kommen Demonstrationen einer wachen Jugend hinzu, die der Fall Lloyd auf die Straßen treibt. Zudem gerät die Frau von Joe in die Fänge eines Heilpredigers, von Vernon (Austin Butler), und Joes virale Behauptung, seine Frau sei noch in unmündigem Alter von seinem Gegner missbraucht worden, bringt zusätzliche Dynamik, in die immer mehr aus der Facon geratende Auseinandersetzung.

Angenehm fällt auf, dass Ari Aster nicht dauernd irgendwelchen Einlullsound auf die Tonspur legt, gerade mal, wenn Action ist, gibt es dort Power oder beim Vorstellen der Ortschaft lassen alphornähnliche Klänge einen gewissen ironischen Ton heraushören.

Eddington wirkt oft, wenn nicht gerade Randale angesagt sind, erbärmlich leer.

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