Gelehrte Lecture
Nicht auszumalen, was Velázquez für ein Filmemacher geworden wäre, so wie er mit dem Licht umgeht, wie er die Zwischenstufen des Lichtes und der Dunkelheit, des Dämmernden, meisterlich in seinen Gemälden einsetzt und so einsam er dasteht zwischen den Epochen von Caravaggio einerseits und Goya und Zeitgenossen bis weiter zu Picasso und Dali andererseits.
Filmemacher waren fasziniert von seinem Umgang mit dem Licht. Mit einer Szene aus „Pierrot le Fou“ von Godard lässt Stéphane Sorlat, der mit Cristina Otero Roth und Nicolas Sorlat auch das Drehbuch verfasst hat, seinen Film anfangen.
Jean-Paul Belomondo liest in einer Badewanne einen Text über den Lichtkünstler Velázquez.
Sorlat macht den Film zu einem Rencontre verschiedener Künste und Künstler mit Zitaten und ihren Werken, lebende und längst Kunstgeschichte gewordene. Er zieht Fachleute bei aus dem Museums-, Kunst- und Kunstgeschichtsbetrieb.
Vor allem zeigt er Bilder von Velazquez, die auf der Kino-Leinwand womöglich mehr zur Geltung kommen, als wenn man sie im Museum anschaut, jedes Farbtüpferlchen kann man sehen, wie er mit wenig viel erreicht, wie eben nicht nur die Augen ausmachen, dass ein Mensch wahrhaftig wirkt auf einem Gemälde.
Wie er, ähnlich wie Caravaggio, die Menschen anschaut, Gott sei in der Küche, wie er ein Faible hat für Außenseiter, Missgeformte, Kleinwüchsige, wie er ihnen Würde und Antlitz verleiht mit einer Kunst, die bewusst Kunst ist, Trompe-l’oeuil, Erfindung, Konstrukt, das aber eine glaubwürdige Wahrheit entwirft, wie Kunst eine Illusion von Realität schafft.
Sorlat verweist darauf, was es bedeutet, mit einem Gemälde die Psyche des Menschen zu erfassen zu versuchen. Er versammelt Beispiele, wie Künstler sich bis heute und mit modernsten Mitteln am großen spanischen Maler abarbeiten. Er bringt Impressionen aus Sevilla mit seiner wenig bunten Struktur, seinen vor barocker Pracht schier platzenden Kirchen. Und er führt den Kommentar von Papast Innozenz zu dessen Porträt an: troppo vero, troppo vero, troppo vero, ein Porträt wiederum, das Francis Bacon umtrieb und umtrieb mit x Variationen. Ein Künstler auf den Spuren des Mysteriums des Lebens.