Alles für die Familie
Nein, Ben Richards (Glen Powell) will die Welt nicht verändern. Er hat nur das Wohl seiner Familie im Auge. Allerdings ist er ein widersprüchlicher Charater, unbequem, er ist ein angry man, handelt uneigennützig – so mögen sich viele mit ihm identifizieren, ob sie selbst nun so sind oder nicht. Er verliert dadurch dauernd seine Jobs, weil er kein Opportunist und kein Karrierist ist. Das wirkt sich negativ auf das Haushaltseinkommen aus.
Dass Bens Frau (Emilia Jones) in einer Nachtbar arbeitet, passt ihm auch nicht. Dort gibt es wenigstens gutes Trinkgeld. Das Töchterchen der beiden ist krank. Die Eltern brauchen Geld für Medikamente und für gute Ärzte. Geldnot.
Der Film von Edgar Wright (Last Night in Soho, The Sparks Brothers), der mit Michael Bacall auch das Drehbuch nach Stephen King geschrieben hat, baut viel TV-Show-Footage ein, selbstverständlich brillant geschnitten.
Es laufen Spielshows. Bekannte Ratespiele und auch das Millionenspiel – wie eine Verfilmung desselben Stoffes in Deutschland durch Tom Toelle vor Jahren hieß. Es ist inzwischen zum Milliardenspiel geworden.
Bei den Ratespielen kann man mal 50 oder 70 oder auch ein paar hundert Dollar gewinnen. Beim ‚Running Man‘ aber stellt der veranstaltende Fernsehsender eine Milliarde in Aussicht. Der geneigte Zuschauer wird bald erfahren, dass die nie ausbezahlt werden, da die Kandidaten meist längst vor den 30 Tagen schon tot oder vom Sender anderswie ausgetrickst worden sind.
Ein ausführliches Casting, auch sowas setzt Edgar Wright billant in Szene, sucht drei Menschen aus. Sie bekommen einen Vorsprung und werden dann von Profikillern gejagt, die von sogenannten RoverCams, also fliegenden Robotern, unterstützt werden.
Das Ganze ist ein landesweites, riesiges TV-Spektakel in Anlehnung an die Spiele im Alten Rom, wo es auch um Leben und Tod geht. Es beschert dem Sender Traumquoten. Alles macht mit, wer einen Kandidaten entdeckt und dem Sender meldet, kann Geld bekommen. Menschenjagd im großen Stil.
Der Kino-Zuschauer bekommt für sein Eintrittsgeld ein prima gearbeitetes Kinospektakel, das nicht mit Medienkritik spart, das einen spannenden Hauptdarsteller hat und eine abwechslungsreiche Mischung aus Jägern und Verrätern einerseits und ulkigen bis seltsamen bis raffinierten Unterstützern andererseits, was zu einem atemlosen zweieinviertelstündigen Hit-and-RunFilm verknüpft wird. Das ist alles nicht neu und in x Varianten schon verfilmt, aber neu und frisch und zeitgemäß aufgetischt.