Erfrischend undeutsch,
so als ob das deutsche Kino an die Giallo-Tradition oder an die längst vergangene Zeit eines Sigi Götz mit Filmen in den 70ern wie „Griechische Feigen“ anzuknüpfen versucht, als wolle es sich die volle Genre-Dröhnung geben, koste es was es wolle.
Die Grundidee des Buches von Erkan Acar, Timur Örge und Michael David Pate ist einfach. Tito (Erkan Acar) wird bei einem Autounfall so verletzt, dass er nur noch im Koma mit lebensrettenden Massnahmen am Leben erhalten werden kann. Der Unfall ist filmisch knapp abgehandelt. Regie führen Timur Örge und Michael David Pate.
Tito liegt seit einem Jahr in der Klinik, die Ärzte stellen abnehmende Gehirntätigkeit fest. Keine Aussichten auf Besserung. Titos Frau Ella (Charleen Weiss) wird vor die schwierige Entscheidung gestellt, die Maschinen abschalten zu lassen.
Ärztin Sarina (Charlotte Stoiber) hält einen letzten Strohhalm parat. Ihr Vater Dr. Buchenwald (Jürgen J. Straub) hat so ein Experiment schon einmal gemacht. Seither sitzt er im Rollstuhl. Aber die Methode der transneuralen Verbindung stehe kurz vor der Zulassung.
Dabei begibt sich eine vertraute Person in die Träume des Patienten, hier also Ella. Sie wird auf ein Bett neben dem Patienten gelegt und mit Drähten verbunden. Es ist bei derart erfundenen Geschichten immer von Vorteil, wenn sie über eine konkrete Installation Glaubwürdigkeit verpasst bekommen.
Tatsächlich funktioniert das auf Anhieb mit dem ersten Traumtauchgang, insofern als Ella in eine Mafiawelt, das ist direkter Giallo!, eintaucht und dort eine Rolle spielt, während Tito den Mafia-Boss gibt. Es zeigen sich tatsächlich minimale Wirkungen beim Komapatienten.
Inzwischen kommt Ella dahinter, dass sie ein von Tito geschriebenes Drehbuch erlebt hat. Es gibt eine Menge davon. Hier schwant dem Zuschauer, dass es ein Eintauchen in diverse Drehbücher diverser Genres folgen wird. Tatsächlich: Western, Schwarz-Meer-Türken, Nazizeit und Piratentum stehen an. Da muss man als Filmemacher allerdings mit der Dosierung vorsichtig sein, wenn so ein System kenntlich gemacht ist.
Für den Protagonisten ist es traumhaft und bestimmt ein traumhafter Spaß und auch der Filmemacher dürfte sich begeistert haben wie sein Team. Für den großen Kinoerfolg allerdings gilt nach wie vor die Regel von den Darlings, die es zu killen gilt. Es kann leicht zu viel werden dieser Selbstbegeisterung, bei allem Geschick, was die Macher an den Tag legen, es kommt eine gewisse Absehbarkeit ins Spiel und dadurch ein Gefühl von Länge.