Da hast Du das Geschenk.
Ein Themenfilm. Aber mit Esprit. Wie richtig schenken, vor allem aber, wie umgehen mit Geschenken, die man gar nicht schätzt und was Leuten schenken, die keine Geschenke mögen?
Ein Weihnachtsfilm, der am 22. Dezember mit Last-Minute-Geschenkeinkäufen beginnt und mit einer Familienzusamenführung zur Bescherung am 24. aufhört und der gleichzeitg eine neue Eskalationsstufe im Genre der Holocaustaufarbeitungsfilme erklimmt, wie man sie in Deutschland vermutlich nie sich trauen dürfte, mit dem Schlager „Tochter von Auschwitz, Tochter von Birkenau“ gesungen von der berühmten Sängerin Océane (Vanessa Guide) als gut gemeintes Geschenk für Tante Rivka (Liliane Vorère), einer Auschwitz-Überlebenden; zuerst hatte sich die Sängerin überlegt, ihr „Das Tagebuch der Anne Frank“ zu schenken, aber ihr Macker, ihr Freund Jérôme (Max Boublil) aus der Familie Stein, hat davon abgeraten.
Es gibt die deftigeren und die spitzeren, intellektuelleren Pointen. Oma ist mit dem eher ordinären Attribut des Pupsens und der Gehörlosigkeit ausgestattet. Jemand empfiehlt jedes Jahr den Concourt und die Reaktion ist, das müsse wohl ein schlechter Autor sein, der jedes Jahr dasselbe Buch schreibe.
Es gibt die typischen Weihnachtsfilm-Pointen. Julie Stein (Mélaney Doutey), eine der Töchter von Michel (Gérard Darmon), erhält von ihrem lieben Ehegatten Adrien (Gringe) einen Pullover mit Schulterpolster; sie mag aber nur Pullover ohne. Michel wiederum kauft in der Apotheke nebst seinen Medikamenten wahllos Dinge wie Thermometer, um sie zu verschenken.
In der Ehe von Julie und Adrien kriselt es. Wenn er nicht mitkäme zur Weihnachtsfeier, so behauptet es Julie, würde ihre Mutter (Chantal Lauby) einen Schlaganfall bekommen. Vater Michel wiederum schiebt Panik, er könnte am Weihnachten, wenn er just das Sterbealter seines Vaters erreicht, sterben. Charlotte (Camille Lellouche), die Schwester von Juliette, Jérôme und Charlotte (Camille Lellouche), eine vertrocknete Buchhändlerin und Geschenkehasserin, erhält von ihren Freunden und Kollegen zur überraschenden, unerwünschten Geburtstagsparty nebst diversen Dildos und einem Quietschentchen einen Men-Strip performed von Dan (Tom Leeb).
Der Film von Raphaele Moussafir, der mit Christophe Offenstein die Regie geführt und mit Stéphane Kazandijian auch das Drehbuch geschrieben hat, fängt als austauschbarer, zum einmaligen Gebrauch bestimmter, typischer Weihnachtsfilm an, wie sie jedes Jahr aufs Neue auf die Leinwände schwappen, fügt sich aber überraschend zum Familienfilm.
Aus dem Rummelplatzweihnachten wird die Bekanntschaft mit den verschiedenen Figuren einer Familie, die sich nichts schenkt, wenn man so will, und die als Betroffene der Holocaustaufarbeitung eine neue Farbe und neue Variante des Umgangs verleiht. Eine Familie, die guter Kunde beim Psychiater Di Ferrazzino (Jean-Jacques Vanier) ist, noch so eine bemerkenswerte Figur in diesem charmanten wie skurrilen Familienpanoptikum, das mit Pointen gut bestückt ist.