Das Leben der Wünsche

Midlifcrisis larmoyant

Das ist ein Film nach dem Mode- und Erfolgsautor Thomas Glavinic. Heutzutage weiß man oft nicht mehr, wie weit Autoren, um schneller ein Buch fertigzustellen, auf KI zurückgreifen. Genau so wenig kann man wissen, wenn man das Buch nicht gelesen hat, was die Drehbuchautoren daraus gemacht haben. Das sind hier Friedemann Karig und Erik Schmitt, der auch die Regie übernommen hat.

Es geht um die ausgewachsene Midlife-Crisis von Felix (Matthias Schweighöfer), mit dem üblichsten Drum-und-Dran: Jobverlust, Frau (Luise Heyer als Bianca), eine Autorin, will eine Auszeit, da kann auch die begonnene Paartherapie bei Dr. Erika Schmitt (Amira Ghazalla) nicht drüber hinweghelfen.

Zuerst wird mit einem Maximum an Weichzeichner das glückliche Familienleben mit den Kindern geschildert. Bereits hier setzt die nicht wieder aufhörende Süß-Klangwolken-Orchestermusik ein, die einen gleich in ein Zuckerkoma zu versetzen versucht.

Matthias Schweighöfer schaut unglücklich so professionell es geht, verzweifelter Depro-Blick. Er hat gute Ideen für die Firma Oasis, prallt ab beim Chef, eine neue Assistentin (Ruby O. Fee als eiskalte Jill) gibt ihm den Rauschmiss unmissverständlich zu verstehen.

Schweighöfer irrt umher in der gesichtlosen City mit der austauschbaren Skyline und landet – mei, das kommt einem so bekannt, so abgelutscht vor – in einem geheimnisvollen Geschäft. Henry Hübchen in der Ladenbesitzerrolle, die er mit Routine aus dem Ärmel schüttelt, bietet ihm einen Nippes-Gegenstand an, der ihm drei Wünsche erfüllt.

Dummerweise, auch das kommt einem so bekannt vor, wünscht Schweighöfer sich als ersten Wunsch, dass alle seine Wünsche in Erfüllung gehen. Das funktioniert. Felix erhält seinen Job zurück, seine Tochter bekommt in der Schultheateraufführung, auch dieses Sujet wirkt wie aus einem abgestandenen Sujet-Funds unabgestaubt und lieblos hervorgezerrt, die ersehnte Hauptrolle.

Ein weiteres – von Filmhochschülern gerne abgearbeitetes – Topos ist die Kettenreaktions-Installation, auch diese unlustig und ohne jeden Filmhochschülerehrgeiz in den Film gepflanzt, scheint ohne jeden Bezug zum Charakter von Matthias Schweighöfer, so wie er die Rolle spielt.

Verwunderlich ist das Auf und Ab in der Physiognomie von Schweighöfer. Mit den Langhaarperücke wirkt er noch etwas rundlich im Gesicht, aber dann gibt es Stellen, da sieht er wie verhungert aus, ganz dünn im Gesicht, das mischt sich mit Aufnahmen, wo das Gesicht wieder voller ist. Ein inhaltlicher Zusammenhang mit der Geschichte ist auf Anhieb nicht rekonstruierbar; es wirkt wie ein Continuity-Problem.

Ach, und dann ist da auch noch die Meteoriten-Geschichte und der Erdbebeneffekt, auch die schon tausendfach benutzt, das würde zwar nichts machen, aber sie kommen so wie in ausgetragenen Schuhen, abgenutzt, daher. Der Film wirkt abgestanden, hausbacken, müde.

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