Anemone

Kirche und Krieg

sind zerstörerisch, das ist die pathetische, drastische und unüberhörbare Message dieses Filmes von Ronan Day-Lews, der mit Daniel-Day-Lews auch das Drehbuch geschrieben hat. Aber nicht nur. Es gibt noch den Glauben. Man kann der Herrn direkt anprechen. Und Versöhnung, ein Wieder-Zueinander-Finden ist möglich.

Der Sünder, das schwarze Schaf, der verlorene, wenn nicht Sohn, so doch Vater, ist Ray (Daniel Day-Lewis). Der haust seit 20 Jahren tief im Wald im britischen Hügelland.

Der Film erzählt es anders, fragmentarischer. Er fängt bei seinem Bruder (das weiß man zu dem Zeitpunkt auch noch nicht) Jem (Sean Bean) an. Der wohnt mit Nessa (Samantha Morton) und dem 20-jährigen Brian (Samuel Bottomly) in Sheffield. Er macht sich auf zu einer offensichtlich abenteuerlichen und geheimen Mission. Sein Aufbruch erinnert an Killer- und Agentenfilme.

Der Film ist so erzählt, dass jedes Schreiben darüber in Spoilerei ausartet. Wer sich also mit Jem auf Abenteuerreise begeben will, der sollte Reviews erst nachher lesen. Zudem ist die Erzählweise, gerade zu Beginn, kleckshaft im Sinne der Spannungserhöhung.

Es dauert bis sich herausschält, wer die Protagonsten sind und bis ihre Gesichter zu sehen sind. Informationen darüber, was der Film erzählen will, rückt er nur bruchstückhaft raus. Vielleicht ein Mittel, den Zuschauer die Message selber nachformulieren zu lassen.

Es dauert, bis erste Worte fallen. Ein schwer zu identifizierbarer Gegenstand, den Jem Ray mitbringt, wird mit dem Kommentar „ Erbe“ auf den Tisch gelegt, ein Metallstück, mit dem man ein Klackgeräusch machen kann.

Das Erbe der beiden Brüder ist nicht großartig. Ein gewalttätiger Vater. Aber vor Jem haben sie alle Respekt gehabt. Vor Ray weniger. Bei der Wiederbegegnung der beiden Brüder im Wald wirft Jem die Bemerkung ein, Pater Sowieso sei gestorben. Das ist das Entree für eine der plakativ herausgehobenen Szenen: Ray schildert wie er sich am ihm gerächt habe für Dinge, die er ihm angetan hat – nichts für zarte Gemüter.

Der Krieg der IRA in Nordirland findet Erwähnung, dazu gibt es drastische, emblematische Illustrationen. Es geht um ein Kriegsverbrechen, das Ray begangen habe.

Zwischendrin schaut der Film wieder nach Sheffield rüber zu Nessa, die ihrem Sohn Brian Geständnisse macht und sich entschuldigt, dass sie ihn vor Wahrheiten beschützen wollte und versucht, die Sache mit dem verschwundenen Vater zu erklären.

Gerne werden Bilder pointiert ausgestellt, ob es eine Location ist, ein Lagerfeuer, die Protagonisten oder auch die titelgebenden Anemonen könnten symbolträchtiger kaum auf die Leinwand gebracht werden. Auch zu theatralischen Mitteln wie einem Hagelsturm wird zurückgegriffen.

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