Stiller

„Ich möchte ein solcher werden, wie einmal ein anderer gewesen ist“,

zugegeben, das ist ein Zitat nach Peter Handke; aber vielleicht ist dieses wiederum epigonal zu Max Frisch und seiner Frage nach der Identität, die er in seinem Roman „Stiller“ behandelt.

Kann ein Mensch seine gewordene Identität abstreifen und als ein anderer, vielleicht getrieben von Sehnsucht oder Heimweh, wieder zurückkehren? Die Frage ist, ob so ein Identätsthema den Nerv der heutigen Zeit trifft, oder ob es sich eher um eine akademisch-literarische Frage handelt.

Die Machart des Filmes durch Stefan Haupt und dessen Bearbeitung des Romans zu einem Drehbuch lassen eher auf die akademische Variante schließen. Die Geschichte spielt a long time ago. Fast möchte man meinen, zu Zeiten, in denen in Hollywood noch das Studiosystem das Sagen hatte, das dann durch New Hollywood in seine Schranken gewiesen wurde.

Die Innenräume aus leicht schräger Perspektive aufgenommen, in denen die Stars wie auf einer Bühne agieren. Auch die Stars selber, wie sie starlike und pfleglich behandelt, gekleidet, eingerichtet und ausgeleuchtet werden, oft im traditionellen Schuss-Gegenschussverfahren, lässt daran denken; die, was Bewegung betrifft, Zurückhaltung der Kamera, dass es wie großes Starkino von anno dunnemals präsentiert wird.

Dazu ist eine entsprechende exquisite Auswahl an Schauspielern getroffen worden, neben Albrecht Schuch die oft und gerne als Filmstar präsentierte Paula Beer als dessen Freundin Julia; Marie Leuenberger als Gattin von Staatsanwalt Rehberg (Maximilian Simonischeck) und als Ex-Affäre von Stiller Stefan Kurt als Pflichtverteidiger.

James White (Albrecht Schuch) wird beschuldigt, eine andere Identität des vor Jahren verschwundenen Bidlhauers Anatol Stiller zu sein. Der Staat kümmert sich um den Fall, Polizei, Gerichte. White wird mit seiner Vergangenheit als Anatol Stiller konfrontiert. Ehemalige Beziehungen werden befragt. Er streitet alles ab, er erzählt von einer wilden Zeit in Mexiko, aus der auch eine Wunde am Kopf herrühre.

Ein Film lang wird versucht, ihn zu einem Geständnis, zu einem ehrlichen Wort zu seiner Vergangenheit zu bringen. Es wird ein schöner alter Sportwagen in Szene gesetzt, der gleich an Old-Hollywood erinnert, es gibt eine verlotterte, bauhauswürdige Beton-Villa im Voralpenhügelgebiet, es gibt schöne Zürich-Aufnahmen und die Klassik darf nicht fehlen, das Ballett, da Julia einst Tänzerin war.

Die Fans des Pfeifenrauchers Frisch dürften mit dieser Verfilmung glücklich sein; der Cineast dürfte eher müde lächeln. Von der wilden, visionären Kraft, von der der Bildhauer Stiller träumt, ist hier nichts zu finden; es ist kein Kino, das etwas wagt, es ist ein Kino, das auf Nummer sicher geht. Und keinerlei Aktualität beahupten kann.

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