Sorda – Der Klang der Welt

Die eigene Komfortzone verlassen

Der Umgang mit Gehörlosen ist für unsereins, der doch recht fixiert ist auf das gesprochene Wort, mindestens schwierig, wenn nicht anstrengend, besonders wenn man keine Gebärdensprache beherrscht.

Ein Film, der genau diesen Umgang thematisiert, ist vielleicht auch nicht gerade das, wonach wir unbedingt lechzen. Trotzdem mutet uns Eva Libertad genau das zu und vermittelt uns dadurch ein ungewohntes, einmaliges und bleibendes Kinoerlebnis.

Es ist diese Unaufgeregtheit im Tonraum, dieser unbestimmte Hintergrundsound, dieses dumpfe Rauschen und der konsequente Verzicht auf Klangwolken, die Wohlgefühl oder Thrill ausdrücken sollen, die uns so häufig einlullen und die inzwischen kaum mehr zu ertragen sind.

Ángela (Miriam Garlo) ist Töpferin, gehörlos und mit Héctor (Álvaro Cervantes) zusammen. Sie erwarten ein Kind. Héctor beherrscht perfekt das Gebärden und ist oft für Ángela die Brücke zur Ton- und Sprechwelt.

Ausführlich schildert der Film den Alltag des Paares, die Vorbereitungen für das Kind. Besonders ausgiebig wird die schwierige Geburt geschildert, die durch die Kommunikationsprobleme noch verstärkt wird und Héctor als Dolmetscher soll sich ausgerechnet hinter die Gebärende stellen, wo sie ihn nicht sieht, weil so viel medizinisches Personal mit der Geburt beschäftigt ist.

Das junge Paar wird begleitet bis das Kind, das Mädchen, etwa ein Jahr alt ist. Dabei gibt es nicht nur Einblicke in die Konfliktentwicklung innerhalb der Familie, auch bei Geburtstagsfeiern oder bei Treffen der Gehörlosengemeinschaft ist der Film dabei, bei einem Discobesuch oder bei Familientreffen. Der Film fesselt durch eine dichte Atmosphäre; er entführt den Kinozuschauer in eine Welt, die den meisten nicht geläufig sein dürfte; kurz: ein sensationell seltenes Kinoerlebnis.

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