Pumuckl und das große Missverständnis

Liebenswerter Anarchist

Pumuckl, die Figur von Ellis Kaut, ist eine urmünchnerisch-anarchistische Figur, ein Kobold, der seinem Meister Eder, im Film spielt ihn passgenau Florian Brückner, ein urguter Mensch und Schreiner dazu, das Leben mit immer neuen Streichen schwer macht.

Sehen kann ihn allerdings nur der Meister. Wenn Besuch kommt in seine Werkstatt in Haidhausen, dann verdünnisiert sich das rotschopfige Animationsgeschöpf in die Unsichtbarkeit.

Die großartigsten darstellerischen Momente sind die Begegnungen mit der Nachbarin, die Ilse Neubauer spielt. Da stimmt einfach alles, bei beiden Figuren und zwischen ihnen. Das ist noch ein Tick feiner alles alles übrige.

In diesen neuen Folgen der Fernsehserie, die nach dem Drehbuch von Moritz Binder und in der Regie von H. Rosenmüller inszeniert sind, und denen Schnittkobold Georg Söring zu lässigem Fluss verhilft, gibt es allerdings ein Extempore aus München heraus ins Alpenvorland, hinaus ins bayerische Landleben und Brauchtum.

Das wird der Beziehung zwischen Meister und Kobold gar nicht wohl bekommen. Erst ein Abend in der Staatsoper wird die beiden rührend, fast kitschig schon, wieder zusammenführen, ein merkwürdiger Ort für Bewohner vom anderen Ufer der Isar.

Gisela Schneeberger betreibt auf dem Land eine hochmoderne Schreinerei. Sie muss leider etwas übertrieben spielen, weiß der Kobold wieso, oder sie wirkt mit ihrer megagroßen Brille so. Sie bittet den Meister Eder aufs Land, weil es ein Holzkarussell zu reparieren gibt. So ein Angebote kann der biedere Mann nicht ausschlagen.

Pumuckl geht selbstverständlich mit. Den wiederum spricht der neulich beim Starkbieranstich bei einem Teil der Granden des bayerischen Staates und der bayerischen Brauerei in Ungnade gefallene Maxi Schafroth und wird nachträglich von KI im Sinne seines Vorgängers Hans Clarin bearbeitet. Das scheint zu funktionieren.

Beim Ausflug aufs Land ist nicht mehr nur der Kobold für Streiche verantwortlich, auch die Dorfjugend kann sich nicht zurückhalten, wie der Schreiner, so wie Adam ihn schuf, im See schwimmt und seine Kleider auf dem Steg liegen lässt.

Dann ist da noch der Maibaum und die Tradition des Maibaumklaus. Hier wird der kleine Kobold aktiv werden müssen, denn sein Meister frönt seinem Hobby, dem Tubablasen in der Kapelle.

In die Hochkultur der bayerischen Staatsoper geraten Eder und sein Pumuckl hinein, weil ihnen der Dirigent, Robert Palfrader, Opernkarten geschenkt hat. Hier fremdeln die beiden nicht nur ein wenig, aber sie tun es herzanrührend schön und beweisen, wohin in München sie gehören und dass es eklatante gesellschaftliche Unterschiede gibt in der bajuwarischen Kapitale.

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